Schockierende Studie: 435.000 Deutsche ohne Chancen auf Arbeitsmarkt

Auch Kinder und Jugendliche betroffen
300.000 Kinder und Jugendliche leben wegen fehlender Job-Chancen ihrer Eltern in Armut und Perpektivlosigkeit. © dpa, Rolf Vennenbernd

Fast halbe Million "arbeitsmarktfern"

Sie haben keine schulische Ausbildung, nie einen Beruf gelernt und sind seit Jahren arbeitslos – viele von ihnen sind krank und alt: Mindestens 435.000 Deutsche sind einer Studie des Instituts für Bildungs- und Sozialpolitik zufolge so "arbeitsmarktfern", dass sie dauerhaft vom Arbeitsmarkt ausgeschlossen sind.

Ohne einen öffentlich geförderten Arbeitsmarkt, der weit über Ein-Euro-Jobs hinausgehe, seien diese Menschen praktisch chancenlos, betonen die Autoren der Studie. Von derartigen Förderungen könnten auch die 300.000 Kinder und Jugendlichen unter 15 Jahren profitieren, die in den Haushalten der Langzeitarbeitslosen in Armut und Perspektivlosigkeit leben. Auch sie benötigten ein besonderes Unterstützungsangebot, um später den Einstieg ins Berufsleben zu schaffen, betonte der Vorsitzende des Evangelischen Fachverbandes für Arbeit und Soziales, Marc Henschke, der die Studie in Auftrag gegeben hat.

Das rheinland-pfälzische Institut beruft sich bei seiner Untersuchung auf Umfragedaten des Nürnberger Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung von Hartz-IV-Empfängern. Um herauszufinden, wer von ihnen bei der Jobsuche vor besonders hohen Hürden steht, hatten sie eigene Kriterien erarbeitet.

Experten befürchten deutlich mehr Betroffene

Als "arbeitsmarktfern" gelten demnach Arbeitslosengeld-II-Bezieher zwischen 26 und 60 Jahren, die in den letzten drei Jahren mehr als 90 Prozent der Zeit nicht gearbeitet haben. Haben diese Personen zusätzlich mindestens vier so genannte "Vermittlungshemmnisse", gehören sie ebenfalls zur Zielgruppe.

Hemmend sind der Studie zufolge ein Alter über 50 Jahren, geringe Deutschkenntnisse, fehlende Schul- und Berufsausbildungen, der soziale Status allein erziehend sowie schwerwiegende gesundheitliche Einschränkungen. Fast die Hälfte der untersuchten Personen hatte zwei oder drei Hemmnisse, mehr als 20 Prozent mindestens vier.

Da die Eingrenzung jedoch nicht allumfassend sei, könnte bei dieser Zahl an Betroffenen laut den Wissenschaftlern lediglich von der Spitze des Eisberges die Rede sein.