Schulz als Schuldiger für die SPD-Klatsche in Schlweswig-Holstein? Einfach mal die Kirche im Dorf lassen!

Torsten Albig, Ministerpräsident und SPD-Spitzenkandidat für die Landtagswahl in Schleswig-Holstein (r), SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und die Generalsekretärin der Partei, Katarina Barley treten am 08.05.2017 in der SPD-Zentrale in Berlin vor di
Torsten Albig, SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz und Generalsekretärin Katarina Barley stellen sich am Tag nach der Wahl der Hauptstadt-Presse. © dpa, Rainer Jensen, rje fdt

Ein Kommentar von Julia Banachewitsch

"Der Schulz-Zug ist entgleist" / "Der CDU-Zug rollt" / "Ausgeschulzt" / "Jetzt ist Schulz …"-Phrasen, die man seit der Landtagswahl in Schleswig-Holstein unentwegt liest. Dabei sollte genauer betrachten werden, was wirklich passiert ist. Die SPD-Niederlage im Norden als Abstimmung über den SPD-Kanzlerkandidaten zu bewerten, ist schlichtweg der falsche Ansatz. Denn in einer Landtagswahl geht es nicht nur um Bundespolitik, sondern vor allem um Landespolitik. Deshalb steht der Landtagskandidat im Vordergrund, nicht der/die Kanzleranwärter/in.

Plus 1,2 Prozent für die CDU - ein glanzvoller Sieg sieht anders aus

dpatopbilder - Der schleswig-holsteinische Ministerpräsident Torsten Albig (SPD,l) und der CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther stehen am 07.05.2017 in Kiel (Schleswig-Holstein) im Fernsehstudio des NDR und reichen sich die Hand. Foto: Carsten Rehder/d
Thorsten Albig und Daniel Günther bei der Landtagswahl in Schleswig-Holstein. © dpa, Carsten Rehder, reh hpl

Das scheint gerade in Vergessenheit geraten zu sein. Man möchte sich gerne das Ergebnis erklären, wissen, wie die SPD von den Umfragewerten, die vor drei Wochen noch für eine Küstenkoalition in Kiel gereicht hätten, nun so drastisch fallen konnte. Aber Moment - was ist denn drastisch? Um wie viel Prozent sind denn die Werte gefallen? Um 3,2%, während sie bei der CDU um genau 1,2% gestiegen sind. Das hört sich weder nach einem bahnbrechenden Sturz für die SPD, noch nach einem strahlenden Sieg für die CDU an.

Dass Daniel Günter (CDU) - ein eher unbekannter Kandidat - sich letztendlich gegen Albig durchsetzen konnte, das hat sich der SPD-Spitzenkandidat selbst zu Schulden kommen lassen. In der SPD spricht man jetzt über klare Analysen, Martin Schulz ärgere sich höllisch, heißt es in der 'FAZ'.

Albig in Plauderlaune: Heilfasten mit der neuen Lebensgefährtin

Aber warum muss denn die Bundespolitik herhalten, wenn der Kandidat vor Ort Mist gebaut hat? Erinnert sei an seine verpassten Einsätze als souveräner Regierungschef bei der Zurückweisung von Beschuldigungen im TV-Duell. Auch dürfte der "Einsatz" von Landesparteichef Ralf Stegner keine große Hilfe gewesen sein. Wer sein Privatleben in der 'Bunten' ausbreitet und weit und breit erzählt, dass er mit seiner Noch-Ehefrau nicht mehr auf Augenhöhe sprechen konnte, weil sie in der Rolle der "Haushaltsmanagerin" gefangen war, der blamiert mit der sich daraus entfaltenden Assoziation "Frau hinter den Herd" nicht nur sich selbst, sondern auch die Partei und die Werte, für die diese Partei einsteht.

Während der CDU-Spitzenkandidat Daniel Günther sich übrigens nicht einmal mit den Fotos seiner Gattin und der Tochter auf seinem Schreibtisch ablichten lässt, ist Albig in der Boulevardpresse in Plauderlaune und erzählt vom Heilfasten mit seiner neuen Lebensgefährtin.


Der Sündenbock heißt nicht Schulz

SPD-Kanzlerkandidat Martin Schulz (SPD) äußert sich zum SPD-Wahlergebnis in Schleswig-Holstein am 07.05.2017 im Willy-Brandt-Haus in Berlin. Er hat das schlechte Wahlergebnis seiner Partei in Schleswig-Holstein betroffen aufgenommen. «Ich ärgere mich
Martin Schulz zeigt sich nachdenklich. © dpa, Jörg Carstensen, car fdt

Glanz und Gloria, das gehört nicht in die Politik, wohl auch ein Kurs den die Kanzlerin fährt. Aber knallharte Fakten und Taten gehören in die Politik. Aber auch die bringt Kanzlerkandidatin Merkel genauso nicht. Deshalb spricht man im Norden beim Wahlsieg von Daniel Günthers Sieg und von Martin Schulz' Wahlverlust anstatt von Thorsten Albigs Abstieg.

Manchmal sollte man aber eben auch das Kind beim Namen nennen und einfach mal den Schulz-Zug im Bahnhof lassen. Der Wahlkampf in Kiel war Mist für die SPD, aber der Sündenbock dafür ist nicht Martin Schulz, sondern der Kandidat vor Ort. Die SPD sollte sich nun überlegen, welche Taktik sie fahren möchte, um wieder Aufwind für den NRW-Wahlkampf und den Bundestagswahlkampf zu bekommen.