Sechsjähriger stirbt bei Schwimmkurs in Bad Oeynhausen: Musste der Schwimmlehrer zu viele Kinder beaufsichtigen?

Musste der Schwimmlehrer zu viele Kinder im Auge behalten
Musste der Schwimmlehrer zu viele Kinder im Auge behalten Sechsjähriger stirbt bei Schwimmkurs 00:01:52
00:00 | 00:01:52

Drama in Hallenbad in Bad Oeynhausen

Es muss der blanke Horror für die Eltern des sechsjährigen Jungen sein: Während sie sich in einem Vorraum eines Schwimmbades im nordrhein-westfälischen Bad Oeynhausen-Rehme warteten, ertrank ihr Kind bei einem Schwimmkurs nur wenige Meter entfernt. Jetzt gibt es Diskussionen, ob der Schwimmlehrer eventuell zu viele Kinder auf einmal betreuen musste, sodass es zu dem tragischen Unglück kommen konnte. 

Sind zwölf Nichtschwimmer zu viele für einen Schwimmlehrer?

Der Unfall ereignete sich nach Angabe von Polizei und Staatsanwaltschaft am Samstagmorgen in einem Schwimmbad in der Gemeinde im Kreis Minden-Lübbecke. Während eines Schwimmkurses entdeckte ein Bademeister den leblosen Körper des Sechsjährigen am Beckenboden. Sofort wurde der Notruf alarmiert und versucht, den Jungen zu reanimieren – erfolglos. Trotz aller Versuche starb das Kind kurz darauf im Johannes-Wesling-Klinikum.

An dem Schwimmkurs hatten zwölf Kinder im Alter von vier bis sechs Jahren unter Aufsicht eines Schwimmlehrers teilgenommen. Für den Kurs war das 25-Meter-Becken durch ein Seil in einen Nichtschwimmer- und einem Schwimmerbereich eingeteilt worden. Die Eltern der Kinder befanden sich zum Zeitpunkt des Vorfalls in einem Vorraum des Bades in Nordrhein-Westfalen. 

Inzwischen gibt es Diskussionen, ob zwölf Kinder in dem Alter nicht zu viele für einen einzigen Betreuer sind. "Was sich als ungeschriebener Schlüssel durchgesetzt hat, ist 1:3 bis 1:5. Das ist eine normale Gruppengröße. 1:12 - ohne die genauen Ortskenntnisse - ist natürlich schon eine ordentliche Nummer", meint auch Christoph Eich, der als Ausbilder bei der 'Deutschen Lebensrettungsgesellschaft' (DLRG) arbeitet. 

Ermittler finden Anzeichen für Ertinkungstod

Kind stirbt bei Schwimmkurs in Bad Oeyenhausen
Obwohl der Junge sofort reanimiert wurde, konnten die Ärzte nichts mehr für ihn tun. (Foto: Motivbild) © dpa, Sebastian Willnow, seb dna

Eine Obduktion des Jungen brachte bisher keine klaren Ergebnisse: Die Gerichtsmediziner fanden zwar Anzeichen für einen Ertinkungstod, eine eindeutige Todesursache steht aber noch nicht fest. Das teilte die Staatanwaltschaft Bielefeld am Montag mit. Demnach stehen klärende Untersuchungen noch aus. Das Kind habe aber keine äußerlichen Verletzungen gehabt, Hinweise auf Fremdeinwirkung gebe es nicht. Unklar sei derzeit auch noch, wie lange das Kind unter Wasser gewesen ist. Da Bademeister und Schwimmlehrer die Aussage verweigern, gestalten sich die Ermittlungen derzeit schwierig.

Laut einer gemeinsamen Presseerklärung der Staatsanwaltschaft Bielefeld und der Polizei Minden-Lübbecke stammt der Junge aus dem Kalletal (Kreis Lippe). Die Eltern des verstorbenen Kindes sowie der Schwimmlehrer und der Bademeister standen nach dem Vorfall unter Schock. Sie wurden von Notfallseelsorgern versorgt.

Vierjährige ertrinkt in Freizeitbad in Hessen

Erst vor rund einer Woche war in Wiesbaden (Hessen) eine Vierjährige in einem Freizeitbad ums Leben gekommen. Ein Badegast hatte sie regungslos im 30 bis 90 Zentimeter tiefen Nichtschwimmerbecken gefunden und aus dem Wasser gezogen. Mitarbeiter des Schwimmbads, des Rettungsdienstes sowie ein Notarzt versuchten rund eine Stunde lang vergeblich, das Mädchen wiederzubeleben. Die Ursache für den Tod ist noch unklar.