Soldat stirbt nach Hitze-Marsch: Bundeswehr gibt Fehler zu

ARCHIV - Soldaten in der Grundausbildung marschieren am 01.11.2016 über das Gelände der Marinetechnikschule (MTS) in Parow (Mecklenburg-Vorpommern) bei Stralsund. (zu dpa "Bundeswehr räumt nach Tod eines Soldaten bei Übungsmarsch Fehler ein" vom 31.0
Vier Soldaten kollabierten bei einem über sechs Kilometer langen Marsch. Einer starb. © dpa, Stefan Sauer, sts jai wst

Viel zu warm angezogen

Nach dem tödlichen Kollaps eines Soldaten und der Erkrankung dreier anderer bei einem Übungsmarsch im niedersächsischen Munster hat die Bundeswehr erstmals Fehler eingeräumt. Die Soldaten hatten einen Hitzschlag erlitten. Sie waren bei dem Marsch im Juli zu warm angezogen - und das offenbar auf Dienstanweisung.

- Anzeige -

Führungskräfte trafen mehrere Fehlentscheidungen

Bei einem Sechs-Kilometer-Marsch, teils im Laufschritt mit Helm und Splitterschutzweste, waren im Hochsommer vier Offiziers-Anwärter kollabiert. Einer starb, ein zweiter ist immer noch in kritischem Zustand. Nach ersten Untersuchungen hatten sie einen Hitzeschlag erlitten.

Jetzt räumte die Bundeswehr Fehler ein: Mehrere falsche Entscheidungen der Führungskräfte, darunter eine vorschriftswidrige Handlung, hätten zu den Gesundheitsproblemen beigetragen, hieß es in einer offiziellen Mitteilung. Es verdichte sich das Gesamtbild, dass in jedem Einzelfall eine ungünstige Verkettung von Umständen und Faktoren vorgelegen habe. Die Fehler von Führungskräften hätten sich "vermutlich nachteilig" auf einen Hitzeschlag ausgewirkt.

Unter diese falschen Entscheidungen fielen auch die Kleidungsvorgaben: "Der am Ausbildungstag getragene Anzug mit der Feldjacke über der Splitterschutzweste war an Leistungsstand und Witterung nicht angepasst, jedoch durch die übergeordnete Befehlsgebung vorgegeben", hieß es in der Mitteilung.

Bundeswehr räumt Fehler ein
Bundeswehr räumt Fehler ein Nach tödlichem Hitze-Marsch 00:01:08
00:00 | 00:01:08

"Keine klare singuläre Ursache"

Gleichzeitig hatte eine interne Untersuchungsgruppe ihren vorläufigen Abschlussbericht vorgelegt. Demnach konnten die Ursachen, die zum Tod des Soldaten und zu den heftigen Erkrankungen der anderen drei führten, bislang nicht vollständig aufgeklärt werden.

Verteidigungsministerin Ursula von der Leyen sagte der 'Neuen Osnabrücker Zeitung': "Bisher zeichnet sich in dem vorliegenden Bericht trotz einiger beanstandeter Verhaltensweisen und widriger Umstände keine klare singuläre Ursache ab, die für sich gesehen den Todesfall oder gar das tragische Gesamtgeschehen des Tages erklären könnte." Die Ermittlungen der Staatsanwaltschaft zu dem Drama am 19. Juli dauern noch an.