Stier tötet sich nach stundenlanger Quälerei – war es "Selbstmord"?

Stier tötet sich selbst - war es "Selbstmord"?
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Unfassbare Szenen: Es scheint, als ob sich der Stier umbringt

Für die Spanier ist es der feierliche Abschluss des "Bulls in the Street"-Festivals – für den Stier der furchtbare Höhepunkt stundenlanger Quälerei. Seine Hörner werden wie Fackeln angezündet, Stierkämpfer ziehen an seinem Schwanz, Hunderte Schaulustige jubeln. Wie der Stier darauf reagiert, sehen Sie im Video.

Tragisches Ende für den Stier beim "Bulls in the Street"-Festival

Der kleinere Ableger von Pamplonas berühmtem "Running of the Bulls"-Festival findet jedes Jahr in Foios statt. Stundenlang wird der Stier durch die kleine Stadt in der Nähe von Valencia getrieben und angestachelt. Dabei trifft er mit seinen Hörnern einen Teilnehmer und durchbohrt dessen Bein. Als "Höhepunkt" des Tages wird das Tier an einen Holzpfahl gebunden, seine Hörner angezündet. Durch die Menschenmenge angefeuert, binden Teilnehmer das panische Tier los, ziehen an seinem Schwanz. Ab jetzt gilt es, dem gefährlichen Tier zu entkommen. Doch anstatt in die Menge zu rennen, fokussiert sich der Stier auf den Holzpfahl. Plötzlich rennt er mit voller Wucht darauf zu und bleibt nach dem Aufprall regungslos am Boden liegen. Der Bulle ist sofort tot.

Ist "Selbstmord" bei Tieren überhaupt möglich?

Tiere "fressen" sich in Todesangst z.B. den Hinterlauf ab, wenn sie in eine Wildererfalle geraten sind, um eine Hoffnung auf Überleben zu haben. Lemminge stürzen sich aufgrund ihres angeborenen Verhaltens gruppendynamisch in die Fluten, auch wenn dort der Tod auf sie wartet. Betagte Elefanten machen sich auf den letzten Weg zum "Elefantenfriedhof", wenn sie das nahende Ende fühlen, um nicht die gesamte Gruppe zu schwächen.

Im Tierreich kann man also durchaus Verhaltensweisen beobachten, die den Eindruck eines "Selbstmordes" erwecken. Allerdings darf man hierbei nicht den Fehler machen, die Gefühlswelt von Tieren zu vermenschlichen. Der gängigen Definition des Suizids zufolge setzt ein Selbstmord eine bewusste Vorstellung von Leben und Tod voraus. Der Suizid folgt dann als aktive Entscheidung gegen das eigene Leben. Bei Tieren sind derartige kognitive Leistungen nicht möglich, so dass es den klassischen Suizid im Tierreich nicht gibt. Allerdings haben die Tiere bestimmte angeborene Verhaltensweisen, um evolutionstechnisch das "Überleben der Stärksten" zu sichern.

Stierquälerei in Spanien immer noch legal

Immer noch gelten der Stierkampf und der sogenannte Stierlauf, bei dem die Tiere durch die ganze Stadt getrieben werden, als spanische Tradition. Es ist ein blutiges Spektakel, bei dem jedes Jahr Hunderte von Bullen sterben. Auch wenn die Kritik immer lauter wird und es immer wieder Versuche gab, diesen "Sport" zu verbieten, halten viele an der Tradition fest.

2010 hatte Katalonien den Stierkampf verboten, aber das Gesetz wurde von der spanischen Region 2016 wieder fallen gelassen, weil der Stierkampf Kulturgut sei.

Auch die Balearen, also Mallorca, Menorca, Ibiza und Formentera, kämpfen für strikte Gesetze, die jegliche Tierquälerei verbieten – bisher ohne Erfolg.