Syrien: Rotes Kreuz beklagt Anstieg der Gewalt gegen die Zivilbevölkerung

Mädchen in einem syrischen Flüchtlingscamp
Mädchen in einem Flüchtlingscamp in Syrien. Bild vom 3. Oktober 2017 © REUTERS, ERIK DE CASTRO, EDC/ATA

Rotes Kreuz: Der Krieg zerstört lebensnotwendige Infrastruktur

Seit der Schlacht um Aleppo im Jahr 2016 war das Leid der Zivilbevölkerung in Syrien nicht mehr so groß. Das Internationale Komitee vom Roten Kreuz (IKRK) berichtet über Hunderte ziviler Opfer und Schäden an Schulen und Krankenhäusern.

- Anzeige -

Neue Kämpfe in Syrien ersticken Hoffnung

Flüchtlingscamp in Syrien.
Wegen der steigenden Gewalt in Syrien müssen unzählige Menschen flüchten. © REUTERS, ERIK DE CASTRO, EDC/ATA

"In den letzten beiden Wochen haben wir einen zunehmend besorgniserregenden Anstieg in militärischen Operationen beobachtet, die mit hohen zivilen Verlusten korrelieren", sagt Marianne Gasser, die Delegationsleiterin des IKRK in Syrien. Dabei herrscht die Gewalt nicht nur in den in stärker umkämpften Regionen wie Deir Ezzor und Rakka, sondern auch in "befriedeten" Regionen. "Während die letzten Monate etwas Anlass zur Hoffnung gegeben haben, bringt die Rückkehr zur Gewalt ein unerträgliches Ausmaß des Leid in große Teile des Landes. Gleichzeitig verkleinert sich der Zugang für Hilfsorganisationen."

Als Beispiel berichtet Gasser vom tragischen Schicksal einer 13-köpfigen Familie, die bei der Flucht aus Deir Ezzor zehn Familienmitglieder durch Luftangriffe und Sprengfallen verlor.

Täglich über 1.000 neue Flüchtlinge in manchen Camps

Innerhalb von zehn Tagen wurden in Syrien zehn Krankenhäuser getroffen und Hunderttausende Menschen von elementarer Gesundheitsversorgung abgeschnitten. Außerdem gefährden die Kämpfe um die Stadt Deir Ezzor dort die Wasserversorgung. In manchen Flüchtlingscamps kommen täglich über 1.000 neue Menschen an. Die Hilfsorganisationen haben Schwierigkeiten, die Grundversorgung mit Wasser und Lebensmitteln zu gewährleisten.

Keine direkte Schuldzuweisung

In der Veröffentlichung des IKRK wird keine Kriegspartei direkt beschuldigt. Aber Robert Mardini vom IKRK betont, dass bei militärischen Operationen das Schicksal der Zivilbevölkerung und die lebensnotwendige Infrastruktur nicht ignoriert werden dürfen und ruft alle Kriegsparteien in Syrien dazu auf, sich an internationales Recht zu halten.