Taliban-Geiseln befreit: Familie nach fünf Jahren Gefangenschaft zurück in Kanada

Familie nach fünf Jahren aus Geiselhaft der Taliban befreit
Familie nach fünf Jahren aus Geiselhaft der Taliban befreit 00:00:55
00:00 | 00:00:55

In Taliban-Geiselhaft: Säugling getötet - Ehefrau vergewaltigt

Unvorstellbare fünf Jahre dauerte das Martyrium der Amerikanerin Caitlan Coleman und ihres kanadischen Ehemanns Joshua Boyle. 2012 waren sie auf einer Rucksack-Tour im Südosten Afghanistans und wurden dort entführt. Coleman war damals mit ihrem ersten Kind schwanger. Seither hat sie drei Kinder zur Welt gebracht. Das letzte erst vor zwei Monaten. Nun konnte das Militär die Familie befreien. Während ihrer Gefangenschaft haben sie Schlimmes durchgemacht.

- Anzeige -

Umstände der Befreiung bleiben mysteriös

Wie genau die Familie aus ihrem Verschlag im pakistanisch-irakischen Grenzgebiet gerettet wurde, bleibt undurchsichtig. Das pakistanische Militär berichtet von einer "Schießerei", die 'New York Times' von einer dramatischen Rettung aus einem Kofferraum, andere Quellen von einer "Freilassung nach Verhandlungen". Grundlage für die Befreiung seien nach Angaben des Militärs Informationen von US-Kräften in Afghanistan gewesen. Joshua Boyle erzählte in einem Interview mit dem Sender ABC, dass es pakistanischen Spezialeinheiten gelang, sich zwischen die Geiselnehmer und sie zu stellen.

US-Medien zufolge lehnte er ab, mit dem US-Militär in die USA auszufliegen. Einige berichteten, Boyle habe offenbar Angst gehabt, festgenommen zu werden. Nach Angaben dieser Medien war er vor seiner Ehe mit Coleman mit einer Frau verheiratet, die Verbindungen zu afghanischen Islamisten hatte. Einer oder zwei ihrer Brüder saßen demnach im Gefangenenlager Guantanamo Bay auf Kuba.

Joshua Boyle: "Meine Kinder mussten mit ansehen, wie sie beschmutzt wurde"

Joshua Boyle kommt am Flughafen in Toronto an.
Hier kommt Joshua Boyle mit seiner Familie am internationalen Flughafen Toronto Pearson an. Das Medieninteresse ist riesig. © REUTERS, MARK BLINCH, MB/yh

Nach seiner Rückkehr erzählt Boyle auch, wie brutal das Hakkani-Netzwerk zu ihnen war. Die von den USA als terroristisch-islamistisch eingestufte Gruppe soll in Zusammenhang mit den Taliban stehen. Boyle sagte der ABC, sie hätten eine Tochter im Säuglingsalter getötet und seine Frau sei von einem Wärter vergewaltigt worden. "Meine Kinder mussten mit ansehen, wie sie beschmutzt wurde."

So skrupellos ist das Hakkani-Netzwerk

Joshua Boyle ist sichtlich gezeichnet von den Jahren in Gefangenschaft.
Joshua Boyle ist sichtlich gezeichnet von den Jahren in Gefangenschaft. © dpa, Nathan Denette, GAC, NSD

Kämpfer dieser Gruppe standen in den vergangenen Jahren hinter einer Reihe von Entführungen westlicher Staatsbürger in Afghanistan. Die meisten Opfer wurden im Austausch gegen Taliban-Gefangene freigelassen. Weder eine Regierung noch die Gruppe haben bisher zugegeben, dass in einem der Fälle Lösegeld floss.

US-Präsident Donald Trump sagte nur, seine Regierung habe zusammen mit Pakistan "die Freilassung sichergestellt". Das Hakkani-Netzwerk der afghanischen Taliban sei für die Entführung verantwortlich, so Trump.

"Das erste Zuhause, das meine Kinder je hatten"

Am Flughafen trifft Joshua Boyle seinen Vater Patrick wieder.
Am Flughafen trifft Joshua Boyle seinen Vater Patrick wieder. © REUTERS, MARK BLINCH, MB/yh

Bei seiner Ankunft in Kanada bittet Boyle öffentlich darum, die Privatsphäre seiner Familie zu respektieren. Seine Kinder hätten an jedem Flughafen auf der Rückreise gefragt, ob das jetzt ihre neue Heimat wäre, erzählte er der ABC. "Hier in Kanada wird es das erste Zuhause sein, das meine Kinder je hatten."

Wie emotional die Rückkehr verlief, sehen Sie im Video.