Terrorgruppe Boko Haram schickt immer mehr Kinder als Selbstmordattentäter in den Tod

Immer mehr Kinder als Selbstmordattentäter missbraucht
Immer mehr Kinder als Selbstmordattentäter missbraucht Perverse Boko-Haram-Strategie 00:00:47
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Amina verlor beide Beine

Zwischen Januar und März haben 27 Kinder als Selbstmordattentäter für Boko Haram ihr Leben verloren. Die Terrorgruppe zwingt in der Region um den Tschadsee in Afrika immer mehr Mädchen und Jungen, sich auf Märkten oder anderen öffentlichen Plätzen in die Luft zu sprengen. Die Entwicklung ist erschreckend - im gesamten Jahr 2016 mussten 30 Minderjährige Bombenanschläge verüben. Unicef mahnt: Die Kinder sind keine Täter, sondern Opfer.

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"Das ist der schlimmstmögliche Einsatz von Kindern"

Amina hatte niemals die Chance, zur Schule zu gehen. Das Mädchen wuchs auf einer abgelegenen Insel im Tschadsee auf. Als sie 16 war, machte ihr ein Mann aus einem anderen Dorf einen Heiratsantrag. Gegen den Willen ihrer Familie willigte sie ein und verließ ihr Dorf. Sie wusste nicht, dass ihr Ehemann zu Boko Haram gehört.

Die Terrororganisation manipulierte Amina und setzte sie unter Drogen. Zusammen mit vier anderen Mädchen wurde sie zu einem Selbstmordanschlag gezwungen. Boko Haram befestigte Bomben an ihrem Körper und pferchte die Mädchen auf ein Boot. Sie sollten sich auf einem gut besuchten Markt in die Luft sprengen. Doch der Plan der Terrororganisation ging schief. Die Mädchen kamen einer Bürgerwehr verdächtig vor. Noch auf dem Boot zündeten zwei der Mädchen ihren Sprengstoffgürtel. Amina verlor beide Beine und kam in ein Krankenhaus. Sie überlebte, doch ihre Familie nahm sie aus Angst vor Stigmatisierung lange Zeit nicht auf.

Die Geschichte von Amina ist laut Unicef beispielhaft für das Schicksal vieler junger Menschen in den zentralafrikanischen Krisengebieten. "Das ist der schlimmstmögliche Einsatz von Kindern in einem Konflikt", so Marie-Pierre Poirier, Unicef-Regionaldirektorin für West- und Zentralafrika. Demnach wurden seit 2014 insgesamt 117 Kinder in Nigeria, Niger, Tschad und Kamerun dazu gezwungen, sich als Selbstmordattentäter in die Luft zu sprengen. Über 80 Prozent von ihnen waren laut Unicef Mädchen

Boko Haram verschleppte 276 Schulmädchen

Seit 2009 kämpfen die sunnitischen Extremisten aus dem Nordosten Nigerias für einen islamischen Gottesstaat und sollen seitdem mehr als 14.000 Menschen getötet haben. Die Bombenanschläge tragen ihre Handschrift, sie bekennen sich allerdings so gut wie nie dazu. Seit Nigerias Militär mit Hilfe der Nachbarländer verstärkt gegen die Hochburgen von Boko Haram vorgeht, hat die Gruppe ihre Taktik geändert und setzt deutlich mehr Selbstmordattentäter ein. 

Im April 2014 lösten die Extremisten von Boko Haram international für Empörung aus, als sie mehr als 276 Schulmädchen aus Chibok im Nordosten Nigerias entführten, von denen immer noch viele verschwunden sind. Experten halten es für möglich, dass auch einige von ihnen zu Selbstmordanschlägen gezwungen wurden. In dem Bericht kritisiert Unicef auch die hohe Zahl von Kindern, die wegen ihrer mutmaßlichen Verbindung zu bewaffneten Gruppen an Militärkontrollposten festgehalten und für längere Zeit in Gewahrsam genommen würden. 2016 sollen demnach fast 1.500 Minderjährige in den vier Ländern der Krisenregion zeitweise eingesperrt gewesen sein, knapp 600 wartet noch darauf, freigelassen zu werden.