Trendsportart Freeletics: Großstadt-Spartaner messen sich mit Zeus und Aphrodite

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Handtuch, Trinkflasche und Fitnessmatte: Mehr braucht man nicht für Freeletics. © Freeletics

Von Alexander Lemke

Ziemlich ahnungslos mache ich mich auf den Weg zu den Kölner Uniwiesen. Hier wird es stattfinden, mein erstes Freeletics-Training. Meiner Freundin habe ich das zu verdanken: Schwitzen in der Gruppe. Gott sei Dank, meine Sportklamotten passen noch. Zwar habe ich eine langjährige Karriere als Amateurfußballer hinter mir, doch zuletzt auch etwas Rost angesetzt. Dennoch: So ein bisschen 'Turnen-im-Freien' wird mir doch sicher nichts ausmachen.

Zunächst bin ich erstaunt, wie viele 'Freie Athleten' dem Körperkult schon verfallen sind. Weltweit quälen sich bereits eine Million Menschen auf der Jagd nach der Form ihres Lebens, sagen die Erfinder – hier und heute wollen es fast 40 Leute wissen. Ich bin einer von ihnen, der sich unter Federführung des Kölner Hochschulsports dem Fitness-Drill aussetzt.

Entwickelt wurde Freeletics von Fitnessfreaks in Zusammenarbeit mit Sportwissenschaftlern in München. Beim ersten Mal mit Aphrodite oder Zeus, die Workout-Programme wurden nach antiken Göttern benannt, ist Stehvermögen gefragt. Die erste Hürde bei Freeletics sei es, ein ganzes Training zu überstehen, sagen die Macher.

Was sich ulkig anhört, hat es in sich: Hinter Zeus und Co. verstecken sich Übungen wie Kniebeuge, Liegestütze mit anschließendem Hampelmann und verschärften Sit-ups. Die Freeletics sprechen von Burpees, Jackknifes und Froggers. Wer sich dann noch auf den Beinen halten kann, muss noch Laufeinheiten im höchsten Sprinttempo absolvieren.

Natürlich alles auf Zeit – und in mehreren Durchgängen. Im Laufe des Trainings mache ich fast hundert von diesen Dingern, meine Muskeln machen nach der Hälfte zu. Es ist eine Qual.

"In der Gruppe kommt jeder an sein Leistungsmaximum"

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Die beiden 'Freien Athleten' machen Burpees: Liegestütze mit Strecksprung in die Luft. © Freeletics

Aber ich will durchhalten, das Training in der Gemeinschaft motiviert ungemein. Aufgeben ist keine Option. Mein Kursleiter Tobias Schlereth pusht und brüllt nicht nur einmal: "Geht über eure Leistungsgrenze!". Der Sportstudent verfolgt die Entwicklung des Trends genau: "Mittlerweile organisieren sich Leute in sozialen Netzwerken, um Freeletics zu machen." Die Facebook-Gruppe hat über 220.000 Mitglieder. In den sozialen Netzwerken präsentieren die modernen Großstadt-Spartaner nicht nur ihre persönlichen Fortschritte, sondern organisieren auch die nächsten gemeinsamen Trainingssitzungen.

"Eigentlich ist das Konzept von Freeletics in seinen Bestandteilen nicht neu", sagt Schlereth. Liegestütze kenne zwar ja jeder, aber in der intensiven Form wie das Training ausgeführt werde, das sei besonders und gebe bestimmte Reize an den Körper ab. "Und in der Gruppe kommt jeder an sein Leistungsmaximum", so der 25-Jährige.

Die Gründer wollen neben dem Training auch einen "athletischen Lebensstil" vermitteln. Dazu gehört auch ein Ernährungsguide mit Tipps und Rezepten für die richtige Sportlernahrung. Eine kostenpflichtige App, mit Erklär-Videos und Bestenliste, gehört für die meisten Freeletics neben einem Handtuch, Trinkflasche und Fitnessmatte zur Standardausstattung.

"Die Leute, die den Kurs besuchen, fühlen sich deutlich fitter, leistungsfähiger und sehen die Verbesserungen am eigenen Körper", sagt Schlereth. Die Gründer der Bewegung motivieren die Anfänger mit sogenannten Transformervideos. Sie zeigen die Verwandlung vom Normalo zum durchtrainierten Halbgott binnen 15 Wochen.

Mein Fazit: Der Muskelkater am nächsten Tag war der schlimmste, den ich je hatte. Doch Leiden gehört dazu oder wie die Freeletics sagen: "No excuses!" (Keine Ausreden!). Ich bleibe am Ball – Aufgeben ist keine Option!