Trendwende im Ritalin-Konsum: Weniger Pillen für hyperaktive Kinder

ADHS: Weniger Ritalin verschrieben
Der Verbrauch der Psycho-Arznei Ritalin ist erstmals seit Jahren rückläufig. © dpa, Julian Stratenschulte

Zahlen erstmals seit 20 Jahren rückgängig

Die Frage beim Thema Ritalin und ADHS ist nicht neu: Werden Kinder in Deutschland mit dem Medikament oft ohne Not ruhiggestellt? Immerhin: Es gibt offenbar eine Trendwende - nach dem massiven Anstieg der Verordnung von Ritalin in den letzten Jahrzehnten meldet das Bundesinstitut für Arzneimittel und Medizinprodukte (BfArM) einen Rückgang des Verbrauchs. Der Konsum des zentralen Wirkstoffs gegen die ADHS-Störung ging 2013 erstmals seit 20 Jahren zurück.

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Das Bundesinstitut BfArM teilte mit, dass im vergangenen Jahr 1.803 Kilogramm des Ritalin-Wirkstoffs Methylphenidat verbraucht wurden. 2012 hingegen waren es noch 1.839 Kilogramm. In den zehn Jahren zuvor hatte sich der Verbrauch verdreifacht.

Über 600.000 Kinder haben ADHS

Die Pille wird vor allem Kindern verschrieben, die unaufmerksam und hyperaktiv sind. Auch hier zeigen neue Daten einen Rückgang: Die Techniker Krankenkasse (TK) vermeldet, dass die Zahl der Kinder zwischen sechs und 17 Jahren, die Medikamente gegen ADHS bekommen haben, von 2009 bis 2012 bundesweit um gut 3,4 Prozent sank. In den Jahren zuvor stieg diese Zahl stetig. Allein von 2006 bis 2009 erhöhte sich die Zahl der mit ADHS-Medikamenten behandelten Kinder um 32 Prozent.

Gleichzeitig betonte BfArM-Präsident Walter Schwerdtfeger, dass sich noch keine echte Abwärtstendenz erkennen lasse. Trotzdem sieht er in dem Rückgang ein "positives Signal, das möglicherweise auf einen kritischeren Umgang mit Methylphenidat hindeutet".

"Offenbar ist die Vorsicht bei einer medikamentösen Behandlung von ADHS gewachsen", bilanzierte die TK-Apothekerin Edda Würdemann. Falsch dosiertes Methylphenidat könne Angstzustände oder Appetitlosigkeit auslösen.

Laut einer Studie der Barmer GEK hatten 2011 rund 620.000 Kinder und Jugendliche sowie 130.000 Erwachsene gemäß ärztlicher Diagnose das sogenannte 'Zappelphilipp-Syndrom'.