Trump ruft nach Jerusalem-Entscheidung zu Ruhe auf: Hunderte Verletzte und vier Tote bei Palästinenser-Demos

Straßenschlachten in Ost-Jerusalem
Straßenschlachten in Ost-Jerusalem Blutige Unruhen im Heiligen Land 00:01:27
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Tränengas, Schüsse und mindestens 760 Verletzte bei Unruhen

US-Präsident Donald Trump hat nach seiner Ankündigung, Jerusalem als Hauptstadt Israels anzuerkennen, zu "Ruhe und Mäßigung" aufgerufen. In Nahost toben heftige Kämpfe: Brennende US-Flaggen, brennende Reifen, Steinwürfe und Flaschen auf israelische Soldaten - der aufgestaute Frust der Palästinenser entlädt sich nach den Freitagsgebeten in Jerusalem, im Westjordanland und im Gazastreifen. Die Sicherheitskräfte setzen Tränengas ein, Schüsse fallen. Das Heilige Land ist in Aufruhr. Ein 30-jähriger Palästinenser stirbt am Freitagnachmittag bei Zusammenstößen mit israelischen Sicherheitskräften. Mindestens 760 Menschen werden verletzt, rund 261 davon durch Schüsse.

Ismail Hanija: Donald Trumps Kurs ist "Kriegserklärung gegen die Palästinenser"

US-Präsident Donald Trump hat am Mittwoch in einem historischen Alleingang Jerusalem als Israels Hauptstadt anerkannt. Israel jubelt, die Palästinenser schäumen. Die radikal-islamische Hamas hat zu einem neuen Palästinenseraufstand (Intifada) gegen Israel aufgerufen. Hamas-Chef Ismail Hanija sagte, die Entscheidung Trumps sei eine "Kriegserklärung gegen die Palästinenser". Außerdem forderte Hanija die palästinensische Autonomiebehörde auf, alle Friedensbemühungen mit Israel auf Eis zu legen.

Intifada ist ein Wort, das bei allen, die sich auch nur grob mit dem Konflikt im Nahen Osten befasst haben, Alarm auslöst. Die erste Intifada begann als "Krieg der Steine" im Jahre 1987 und dauerte bis 1993. Dabei starben etwa 2.200 Palästinenser und 200 Israelis. Bei der zweiten Intifada von 2000 bis 2005 hatten die Palästinenser sogar über 3.500 Tote zu beklagen. Bei palästinensischen Anschlägen kamen damals mehr als 1.000 Israelis ums Leben.

"Entscheidung hat zu Zorn und Aufständen geführt"
"Entscheidung hat zu Zorn und Aufständen geführt" Blutige Unruhen im Heiligen Land 00:01:54
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Israel freut sich – Angst und Kritik im Rest der Welt

Aus Protest gegen Donald Trumps Entscheidung traten die Palästinenser am Donnerstag im Westjordanland, im Gazastreifen und in Ost-Jerusalem in einen Generalstreik. Öffentliche Einrichtungen, Geschäfte, Schulen und Banken blieben geschlossen. Bei kleineren Demonstrationen am Mittwochabend verbrannten aufgebrachte Demonstranten Bilder von Donald Trump, US-Flaggen und Autoreifen.

Israel hingegen feiert die Ankündigung der USA. Regierungschef Benjamin Netanjahu nannte die Entscheidung des US-Präsidenten eine "historische Erklärung" und sagte: "Präsident Trump hat sich auf ewig mit der Geschichte unserer Hauptstadt verbunden." Israel sei bereits in Kontakt mit weiteren Staaten, die Jerusalem ebenfalls anerkennen wollten, sagte Netanjahu.

Deutschland gehört ganz offensichtlich nicht zu diesen Ländern; die Reaktion von Regierungssprecher Steffen Seibert im Namen von Bundeskanzlerin Angela Merkel war eindeutig: "Die Bundesregierung unterstützt diese Haltung nicht, weil der Status von Jerusalem im Rahmen einer Zwei-Staaten-Lösung auszuhandeln ist." Außenminister Sigmar Gabriel sagte: "Ich glaube, dass sie (die Entscheidung Trumps) wirklich das Risiko beinhaltet, dass eine ohnehin schon schwierige Lage dort im Nahen Osten und in dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern jetzt noch weiter eskaliert."

Britische Botschaft bleibt in Tel Aviv

Proteste gegen US-Präsident Trump in Pakistan
Proteste gegen US-Präsident Trump in Pakistan © picture alliance

Auch Frankreich bezieht eindeutig Stellung: "Diese Entscheidung verletzt internationales Recht und alle UN-Resolutionen", sagte Frankreichs Präsident Emmanuel Macron. Die britische Premierministerin Theresa May sagte, die Entscheidung Trumps sei hinsichtlich des Friedens in der Region nicht hilfreich. Sie machte klar: "Die britische Botschaft in Israel ist in Tel Aviv, und wir haben keine Pläne, das zu ändern."

Auch in den USA wird Donald Trumps Entscheidung kritisiert. "Trumps Jerusalem-Entscheidung wird die Glaubwürdigkeit der USA schwächen, Wut in der muslimischen Welt entzünden und unsere eigenen amerikanischen Diplomaten in Gefahr bringen. Zutiefst unklug", sagte der frühere US-Diplomat Nicholas Burns, der unter George W. Bush im Außenministerium gearbeitet hatte.