Über 200 Tote bei Erdbeben in Mexiko - Retter im Einsatz: "Wir hören Stimmen, einige leben noch"

Zahl der Toten steigt und steigt
Zahl der Toten steigt und steigt Schweres Erdbeben in Mexiko 00:01:14
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Unter den Trümmern sind Kinderstimmen zu hören

Die Lage nach dem schweren Erdbeben der Stärke 7,1 ist dramatisch. In Mexiko sind nach bisherigen Angaben mindestens 226 Menschen ums Leben gekommen. Mindestens 700 Menschen wurden verletzt, davon 400 schwer. Besonders schwer traf das Beben die Millionenmetropole Mexiko-Stadt.

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Eltern graben mit bloßen Händen nach ihren Kindern

Rettungskräfte suchen in Mexiko-Stadt im eingestürzten Gebäude der Enrique Rebsamen Schule nach vermissten Kindern.
Rettungskräfte suchen in Mexiko-Stadt im eingestürzten Gebäude der 'Enrique Rebsamen' Schule nach vermissten Kindern. © dpa, Jorge Serratos, zeus sab

Dort musste Präsident Enrique Peña Nieto vielen Eltern eine traurige Nachricht überbringen: Unter den eingestürzten Gebäuden ist auch eine Grundschule. Mindestens 32 Kinder starben, als sie zusammenbrach. Viele werden noch vermisst. Unter den geborgenen Toten sind auch mindestens fünf Erwachsene. Rettungskräfte versuchen mit Schaufeln und Händen, Überlebende aus den Trümmern der Schule 'Enrique Rébsamen' im Stadtviertel Coapa zu bergen. Denn schweres Gerät ist noch nicht vor Ort. In einem der Gebäude befand sich auch ein Kindergarten.

"Wir schätzen, dass noch zwischen 30 und 40 Menschen in den Trümmern gefangen sind. Wir hören aber Stimmen, einige sind noch am Leben", sagte Marine-Sprecher José Luis Vergara dem Fernsehsender 'Televisa'. Elf Kinder seien lebend gerettet worden. Viele Freiwillige helfen mit, um möglichst viele Kinder zu befreien. Angesichts der verzweifelten Rettungsmaßnahmen forderte der Präsident Mexikos die Bevölkerung allerdings auf, zu Hause zu bleiben. "Sofern die Häuser sicher sind, ist es wichtig, dass die Bevölkerung drinnen bleibt, um die Straßen für Krankenwagen frei zu halten und die Arbeit der Rettungshelfer zu erleichtern", sagte er in einer Videobotschaft.

"Der einzige Gedanke ist: Wie komme ich hier raus?"
"Der einzige Gedanke ist: Wie komme ich hier raus?" Daniela Wachter aus Mexiko-Stadt 00:01:13
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Und wieder bebt die Erde: Mexikos tragischer 19. September

Die 20-Millionen-Metropole Mexiko-Stadt erwischt es am schlimmsten. Alleine hier stürzen fast 40 Gebäude ein. Immer wieder kommt es zu Nachbeben. Betroffen war mehrmals die Küstenregion vor der Stadt Salina Cruz. Das schwerste hatte die Stärke 4,9.

Das Hauptbeben hatte sich rund 130 Kilometer Luftlinie südöstlich von Mexiko-Stadt bei Axochiapan im Bundesstaat Morelos ereignet. Die Erde bebte kurz nach einer alljährigen Katastrophenübung. Auf den Tag genau vor 32 Jahren starben nach einem Beben fast 10.000 Menschen.

Tausende verängstigte Menschen fliehen auf die Straße

Schweres Erdbeben erschüttert Mexiko People remains in the streets following a magnitude 7.1 earthquake on the Richter scale that shook the Mexican capital today and caused panic scenes just as 32 years of power earthquake that caused thousands of de
Dramatische Bilder nach dem Beben. "Meine Familie wohnt in diesem Gebäude", schreit eine verzweifelte Frau. © imago/Agencia EFE, Sáshenka Gutiérrez, imago stock&people

Die Wolkenkratzer in Mexiko-Stadt schwanken hin und her. Fassadenteile fallen wie Pappe auf die Straßen. Wer kann, rennt so schnell es geht nach draußen, weg von den Häusern. Es ist ein gespenstisches Bild, als das Beben der Stärke 7,1 nachlässt. Staub liegt in der Luft. Unter freiem Himmel werden Verletzte mit Infusionen versorgt. Bewohner sind zum Teil in brennenden Häusern eingeschlossen. Überall liegen Menschen in den Trümmern, mit bloßen Händen wird gesucht.

Der Flughafen wurde geschlossen und auf Schäden untersucht. Beschädigte Krankenhäuser wurden evakuiert. Nach Angaben des Elektrizitätsunternehmens CFE waren mindestens 3,8 Millionen Menschen ohne Strom. Mexikos Staatschef Enrique Peña Nieto berief seinen nationalen Krisenrat ein und machte sich im Helikopter ein Bild von den Schäden. "Dieses Erdbeben ist eine harte Probe und sehr schmerzhaft für unser Land, aber wir Mexikaner haben gelernt, dem mit dem Geist der Solidarität zu antworten", sagte der Staatspräsident.

"Ich habe zu Gott gebetet. Ich dachte, jetzt geht es zu Ende"

Erdbeben in mexiko
Genau am Jahrestag des schweren Erdbebens von 1985 traf es die Millionenmetropole erneut. © dpa, Joel Alvarez, zeus hjb

"Unser Gebäude hat geschwankt wie ein Baum in Wind", berichtet Javier Londono, der in einer Bank arbeitet. "So etwas habe ich noch nie erlebt." Für die Menschen in Mexiko-Stadt sind es Minuten in Todesangst. "Ich habe zu Gott gebetet. Ich dachte, jetzt geht es zu Ende", sagt Stephanie Morales. "Ich kann meinen Mann nicht erreichen", sagt eine Frau mit tränenerstickter Stimme.

Videos vom aktuellen Beben zeigen schreiende Eltern und ihre Kinder in schwankenden Wohnungen, Kommoden stürzen um, Lampen fallen von der Decke. "Wo sollen wir denn heute schlafen?", fragt Veronica Sandoval, deren Haus schwer beschädigt wurde. "Ich habe nichts bei mir. Nur meine Kleidung und meine Hausschlüssel." Ob sie jemals zurückkehren kann, ist fraglich. Wie groß die Schäden sind, wie viele Häuser verloren, das lässt sich zunächst nur erahnen. 

Beistand von Donald Trump

Erdbeben in Mexiko
Patienten liegen nach der Evakuierung eines Krankenhauses in Mexiko-Stadt auf der Straße. © dpa, Rebecca Blackwell, EM lkn

US-Präsident Donald Trump, der die Mexikaner sonst mit Vorliebe attackiert und eine Grenzmauer zum Schutz vor Drogendealern und Migranten errichten lassen will, twittert: "Gott segne die Menschen in Mexiko-Stadt. Wir sind bei Euch und werden für Euch da sein."