Umfrage zum 'Tag der gewaltfreien Erziehung': Jeder Vierte findet Ohrfeigen in Ordnung

Umfrage zum 'Tag der gewaltfreien Erziehung'
Umfrage zum 'Tag der gewaltfreien Erziehung' Jeder Vierte findet Ohrfeigen in Ordnung 00:01:32
00:00 | 00:01:32

Jeder Vierte hat sein Kind bereits körperlich bestraft

Dass Erziehung ohne Gewalt auskommt, gilt heutzutage eigentlich als selbstverständlich. Eigentlich. Denn eine Forsa-Umfrage im Auftrag von RTL zeigt nun: Viele Eltern in Deutschland denken nach wie vor, dass eine Ohrfeige noch keinem Kind geschadet hätte. Ganze 25 Prozent finden eine Ohrfeige demnach in Ordnung - jeder Vierte hat sein Kind bereits körperlich bestraft.

Jede Form der Gewalt schadet dem Kind

Insbesondere ältere Menschen und Befragte mit einem niedrigerem Schulabschluss greifen laut der Umfrage häufiger zu Gewalt als Erziehungsmethode. Mütter gaben häufger als Männer an, ihr Kind schon einmal körperlich bestraft zu hben.

Experten warnen jedoch davor, einen Schlag als kleinen Klapps abzutun: "Jede Form der Gewalt ist eigentlich der Erziehung nicht zuträglich und schadet meinem Kind. Und auch scheinbar geringe Formen von Gewalt können Schädliches anrichten, ohne das ich das vielleicht vermute", erklärt Psychologin Haik Schönherr.

Gewalt in der Erziehung hat für Kinder weitreichende Folgen. Schläge in der Erziehung können auch das Erwachsenenleben noch beeinflussen. Insbesondere Menschen, die konfliktscheu sind, hatten in ihrer Kindheit häufig keine Möglichkeit, Probleme angstfrei anzusprechen. Weitere Folgen könnten der Rückzug aus der Familie, ein gestörtes Selbstwertgefühl oder Angst vor Körperkontakt sein.

Gewalt in der Erziehung trifft alle Schichten

Haik
Psychologin Haik Schönherr warnt Eltern davor, einen Schlag als Nichtigkeit zu empfinden. (Foto: RTL)

Haik Schönherr rät, sich als Elternteil aus einer Situation zu ziehen, wenn man merkt, dass man die Kontrolle über die Situation verliert. Wem tatsächlich die Hand ausgerutscht ist, sollte sein Kind darauf ansprechen und sich entschuldigen.

Ein vermeintlich kleiner Schlag kann schnell eskalieren - und schwere Gewalt gegen Kinder ist in Deutschland noch immer keine Seltenheit. 2015 starben 130 Kinder in ihrem Zuhause - durch Gewalt der eigenen Eltern. Ein Problem, das sich nicht auf Milieus beschränkt: "Bei der seelischen Gewalt und insbesondere auch bei der sexualisierten Gewalt haben wir die Situation, dass das alle Schichten gleichermassen trifft", so Heinz Hilgers vom deutschen Kinderschutzbund.