Umstrittenes Kulturgut: In Madrid trainieren Kinder an der Stierkampfschule

Der Stadtverwaltung ist die Schule ein Dorn im Auge

Der Stierkampf in Spaniens ist noch immer ein Spektakel, das Tausende Menschen in die Arenen lockt. In vielen Regionen ist der grausame Wettkampf zwar verboten, in anderen gilt er aber immer noch als Kulturgut. In der größten Stierkampfschule Marcial Lalanda in Madrid lernen bereits Kinder, wie man einen Stier tötet. Dem will die Politik nun ein Ende machen, doch der Widerstand in der Bevölkerung ist groß. Die Schule steht kurz vor dem Aus.

- Anzeige -

Das würde den größten Traum des Zehnjährigen, Daniel, zum Platzen bringen. Der Junge trainiert in der Stierkampfschule und möchte später einmal selbst in der Arena stehen und sich von der Menge bejubeln lassen. Immer wieder übt er, wie man dem Stier den Todesstoß versetzt. "In dieser Übung ist es das Schwierigste sich dem Kopf des Stieres zu nähern, um ihm dann die Spieße in den Nacken zu stoßen", erklärt der Junge.

"Ich glaube nicht, dass der Stier leidet"

Juan Jesus (15) hat vor einem Jahr das erste Mal einen Stier getötet. Per Gesetz ist das ab einem Alter von 14 Jahren erlaubt. Seitdem hat er 14 weitere Bullen erlegt. Er ist überzeugt, dass der Stierkampf keine Tierquälerei ist. "Ich glaube nicht, dass der Stier leidet. Wenn man zum Beispiel einen Hund tritt, rennt der weg. Der Bulle aber greift immer wieder den Torero an. Das zeigt doch, dass es ihm gefällt", sagt Juan Jesus.

Die Faszination an dem blutigen Sport wird schon von klein auf vermittelt. Jeden Tag trainieren Juan Jesus, Daniel und 50 weitere Nachwuchsmatadoren um eines Tages ein berühmter Torero zu werden. Potentielle Risiken nehmen die Schüler und ihre Eltern dabei in Kauf. "Es ist ein Beruf, bei dem man nie weiß, was passieren kann. Aber die Erhabenheit, dass der Mensch den Kampf gegen ein Tier aufnimmt, das ist etwas Unglaubliches, etwas Übernatürliches", meint der Vater von Juan Jesus.

Politik und Gesellschaft führen in Spanien seit Jahren eine hitzige Diskussion, ob der Stierkampf noch zeitgemäß ist. Anhänger des blutigen Spektakels argumentieren, der Stierkampf sei Kulturgut und eine Form von Kunst. Die Politik würde dem Leid der Tiere in den Arenen gerne ein Ende bereiten. "Es ist bewiesen, dass die Tiere bei dem Spektakel leiden. Sie geben dem Bullen stimulierende Mittel, damit er überhaupt die Arena betritt. Er ist von Natur aus nicht aggressiv", kritisiert der Politiker Sergio García Torres. Die linke Stadtregierung von Madrid hat nun vor, die Toreroschule zu schließen. Die Subventionen für die Talentschmiede wurden bereits gestrichen.