Unerwartete Wende im Höxter-Prozess: Wilfried W. soll Teilschuld zugegeben haben

Einblicke ins Horror-Haus von Höxter
Einblicke ins Horror-Haus von Höxter „Die Wohnung repräsentiert die Seelenwelt“ 00:02:30
00:00 | 00:02:30

Bisher hat Wilfried W. jede Schuld von sich gewiesen

Vor dem Landgericht Paderborn gab es im Mordprozess um das sogenannte Horrorhaus von Höxter eine echte Überraschung. Der psychiatrische Gutachter Michael Osterheider sollte zum Abschluss der Beweisaufnahme als Zeuge aussagen. Dabei lieferte er ein Detail, das vorher so noch nie zur Sprache kam: Wilfried W. habe in Gesprächen mit ihm zumindest eine Teilschuld am Tod der beiden Opfer eingestanden, erklärte der Gutachter. Bisher hatte der Angeklagte immer alle Schuld von sich gewiesen.

- Anzeige -

Wilfried W. gibt unterlassene Hilfeleistung zu

Wilfried W. (47) und Angelika W. (48) sind des Mordes durch Unterlassung angeklagt. Sie sollen über Jahre hinweg mehrere Frauen in ihr Haus nach Höxter gelockt haben, wo sie die Opfer schwer misshandelten. Zwei Frauen aus Niedersachsen wurden in dem Haus zu Tode gequält. Die beiden Angeklagten wiesen sich gegenseitig die Schuld daran zu. Dem Gutachter zufolge soll Wilfried W. bei einem der beiden Todesfälle unterlassene Hilfeleistung zugegeben haben. Außerdem werfe er sich vor, die Gewalt nicht unterbunden zu haben.

Osterheider hatte von März bis Juni im Gefängnis mit dem Angeklagten Gespräche geführt. Vor Gericht sollte er nun schildern, was Wilfried W. ihm in der Befragung mitgeteilt hatte. In einem zweiten Schritt muss sich der Professor für Forensische Psychiatrie an der Uni Regensburg noch als Gutachter befragen lassen.

Verteidiger hält Gutachter für "schlampig"

Als der Höxter-Prozess im Oktober 2016 startete, weigerte sich Wilfried W. zuerst mit Osterheider zu sprechen. Diese Haltung gab er aber nach und nach auf. Detlev Binder, der Verteidiger des Angeklagten, warf dem Osterheider "grob schlampige Arbeit vor und lehnte ihn als Gutachter kategorisch ab.

Auch der Angeklagte selbst erklärte in einem Schreiben, dass der Gutachter seine Aussagen zum Teil falsch wiedergegeben habe, berichtete die 'Süddeutsche Zeitung'. Der Gutachter sei für ihn "nicht der Richtige". Sollte das Gericht entscheiden, dass ein neuer Sachverständiger hinzugezogen werden muss, würde sich der Prozess noch mindestens ein Jahr länger hinziehen als ohnehin schon. Ein Urteil wird frühestens 2018 fallen.