US-Repräsentantenhaus will Waffengesetz drastisch lockern

Das US-Repräsentantenhaus hat für eine Lockerung des Waffengesetzes gestimmt.
Dürfen Waffen - auch wenn sie verdeckt sind - bald mit ihren Besitzern durch die ganzen USA reisen? © dpa, Erik S. Lesser

Waffengesetz-Beschluss erregt Kritik

Trotz der jüngsten Massaker in den USA - dem Attentat von Las Vegas mit 59 Toten und dem Amoklauf in Texas mit 26 Opfern - hat das Repräsentantenhaus in Washington nun für eine deutliche Lockerung des Waffengesetzes gestimmt. Zukünftig sollen verdeckt getragene Waffen auch über Bundesgrenzen hinweg mitgenommen werden dürfen. Als nächstes liegt der Gesetzentwurf dem Senat vor - dort gilt die Zustimmung als unsicher.

Die Waffenlobby jubelt

"Dieser Beschluss garantiert allen gesetzestreuen Bürgern in unserem großartigen Land sich selbst verteidigen zu können, ohne im Konflikt mit dem Gesetz zu stehen", jubelte Chris W. Cox, Geschäftsführer der mächtigen Waffenlobby NRA. Er nannte die Entscheidung des Repräsentantenhauses eine Zäsur. Bei der Abstimmung in Washington stimmten 231 Abgeordnete dafür, dass verdeckt getragene Waffen künftig auch dort getragen werden dürfen, wo eigentlich schärfere Waffengesetze gelten. Bundesstaaten mit strengeren Gesetzen müssten sich dieser Entscheidung beugen und Waffenscheine aus anderen Staaten ähnlich wie Führerscheine akzeptieren. 198 Abgeordnete im Repräsentantenhaus stimmten gegen den Vorstoß der Republikaner.

Kritiker in den Reihen der Demokraten zeigten sich enttäuscht. "Die Antwort auf Gewalt durch Schusswaffen kann nicht lauten, dass wir mehr Personen befähigen eine Waffen bei sich zu tragen", betonte der demokratische Abgeordnete Jerrold Nadler aus New York. Soll das Gesetz in Kraft treten, brauchen die Republikaner eine Mehrheit im Senat, mindestens acht Demokraten müssten dort für den Entwurf stimmen. Das Recht auf Waffenbesitz ist in den USA seit Jahrzehnten ein Streitthema. Viele Amerikaner sehen es als ihr Recht und eine Stück nationaler Identität an, sich selbst mit Schusswaffen verteidigen zu können. Bei Massakern in Las Vegas und im texanischen Sutherland Springs, sind seit Oktober 85 Menschen ums Leben gekommen.