USA: Dicke Haustiere specken in Fitnessstudios ab

Hunde-Fitness im 'Rex Center'
Tiertrainerin Ellen Davison im 'Rex Center'. © dpa, Barbara Munker

Bootcamps, spezielle Trainingsgeräte und Diät-Leckerli

Die Zahlen des 'Center for Disease Control' (CDC) sind erschreckend: Rund zwei Drittel der US-Bürger haben demnach zu viel Speck auf den Rippen. 30 Prozent - mehr als 110 Millionen Menschen - gelten sogar als adipös, also fettleibig. Dieses gesellschaftliche Problem zeigt sich inzwischen auch bei den amerikanischen Haustieren, die wie Herrchen und Frauchen drastisch an Gewicht zugelegt haben. Eine Entwicklung, mit der sich viel Geld verdienen lässt. Findige Geschäftsleute haben längst ihre Chance gewittert und bieten Bootcamps, Trainingsgeräte und Fitnessstudios speziell für dicke Vierbeiner an.

- Anzeige -

Nikolas liegt erschöpft am Rand des kleinen Pools. Der sechs Jahre alte rundliche Chihuahua-Jack-Russell-Mischling hat seine erste Schwimmstunde im 'Rex Center‘, einem Hunde-Fitnessstudio südlich von San Francisco, hinter sich. Frauchen ist begeistert. Karen Kelly kauft gleich eine Karte mit sechs Schwimmstunden zum Vorzugspreis von rund 35 Euro. "Aus demselben Grund warum Menschen schwimmen gehen, bringe ich meine Hunde her", meint die Kalifornierin. "Das ist gut für Herz und Knochen, zum Abspecken und für mehr Schwung."

Und Nikolas ist mit seinem pfundigen Problem nicht alleine. Knapp 55 Prozent der amerikanischen Katzen und Hunde sind übergewichtig oder fettleibig, warnt der Verband zur Verhinderung von Fettleibigkeit unter Tieren (APOP). "Das ist unser größtes Problem", sagt die kalifornische Tierärztin Ilana Strubel. "Hunde essen zu viele Kalorien und verbrennen zu wenig. Das kann zu Arthritis, Diabetes, Gelenk- und Herzproblemen führen."

'Doggie Fat Camp' für die besonders schweren Fälle

"Er hat schon 12 Pfund verloren, 10 müssen noch runter", strahlt Finns Besitzerin Jen Gasang am Rande des Pools im 'Rex Center‘. Bei einem Autounfall verlor der schwarzbraun gefleckte stämmige Hund ein Bein, mit dem Alter kamen Fettpolster hinzu. Seit einigen Monaten geht Finn einmal pro Woche in den Fitness-Pool. "Jetzt kann er wieder alleine die Treppe rauf laufen", sagt Gasang. Er selbst macht es sich am liebsten am Rand des Beckens bequem, doch die resolute Trainerin zieht ihn immer wieder in die Mitte. "Auch für mich ist das ein gutes Workout", sagt Trainerin Davison und lächelt.

Nicht nur im Wasser trimmen Hundebesitzer ihre Vierbeiner. Im Fitness-Center 'Derty Dog‘ im kalifornischen Santa Rosa können sie auf Laufbändern und mit Trainingsgewichten um den Bauch abspecken. Der monatliche Beitrag für die tierischen Mitglieder beträgt knapp 73 Euro. Schnelle Abnehm-Erfolge verspricht der Hundesitter-Service ‘Furball Fitness’ in San Francisco. Der lockt mit einem ‘Bow Wow’-Bootcamp. Ihre Dogwalker gehen nicht etwa gemütlich spazieren, sie joggen mit den Schützlingen oder treiben sie auf Rollschuhen eine Stunde lang an. Das kostet Herrchen oder Frauchen stolze 44 Euro. Wer noch etwas mehr ausgeben kann, schafft sich Geräte speziell für Hunde an, mit denen jeder Schritt und alle Nickerchen verfolgt werden können. Am Halsband angebracht, zeichnet das Teil die Daten auf und überträgt sie praktischerweise direkt aufs Smartphone.

Für die schwersten Fälle wartet im US-Bundesstaat Oregon auf der Indigo-Ranch das 'Doggie Fat Camp‘. Vier Wochen Diät- und Sportprogramm für 580 Euro. Der dreijährige Labrador Butters hält mit Vorher-Nachher-Fotos auf der Webseite als Erfolgsmodell her. Fast 65 Kilogramm schwer liegt er anfangs träge auf dem Boden. Vier Monaten Diätcamp später und nun 38 Kilogramm leichter jagt er Tennisbälle. Nach zu vielen Leckerbissen an den Feiertagen könnte das Camp ein echter Renner werden.