Verkaufsstopp für Zoo-Delfine aus Taiji – Ende der grausamen Jagd?

Verkaufsstopp für Delfine aus Taiji für japanische Zoos
Delfine aus Taiji dürfen nicht mehr an japanische Zoos verkauft werden.

Von Johanna Grewer

Großer internationaler Druck zwang den japanischen 'Verband für Zoos und Aquarien' (JAZA) zum Einlenken – von jetzt an werden keine Delfine mehr aus der Bucht von Taiji an Zoos und Delfinarien in Japan verkauft. In einer Abstimmung hatte sich der Verband mehrheitlich dafür ausgesprochen. Tierschützer feiern diesen Entschluss als ersten kleinen Erfolg. Ein Ende der brutalen Treibjagden bedeutet das aber noch lange nicht.

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Der japanische Ort Taiji hatte durch den Oscar-preisgekrönten Dokumentarfilm 'Die Bucht' aus dem Jahr 2009 traurige Berühmtheit erlangt. Jährlich wurden dort bisher hunderte Delfine zusammengetrieben. Die schönsten Exemplare wurden aussortiert und weiterverkauft, die anderen in einer Nachbarbucht abgeschlachtet.

Der 'Weltverband für Zoos und Aquarien' (WAZA) hatte dem japansichen Verband JAZA mit dem Ausschluss gedroht, wenn der Kauf von Delfinen aus Taiji nicht verboten würde. "Der Ausschluss aus der WAZA hätte für die JAZA unter anderem bedeutet, dass sie sich an der Zucht von seltenen Tieren, die über internationale Kooperationen laufen, nicht mehr hätte beteiligen können", erklärt die Organisation 'ProWal'. Das wollte der japanische Verband vermeiden, darum fand sich eine Mehrheit für das Verbot.

Für den WAZA sei die Entscheidung ein wichtiger Schritt zur Verbesserung der globalen Standards für das Wohl von Tieren, teilte die WAZA-Sprecherin Hyatt Antognini Amin mit. Sie betont aber auch, dass das Verbot nicht automatisch ein Aus für die Treibjagd von Delfinen in Japan bedeute. "Es ist wichtig zu wissen, dass die Mehrheit der Delfine, die bei der Treibjagd in Taiji gefangen werden, zum Verzehr weiterverkauft wird", so Antognini Amin. Nur der finanzielle Anreiz für die Jagd wird geringer.

Das Geschäft mit Delfinen rentierte sich vor allem wegen der lebendig weiterverkauften Tiere. Bis zu 180.000 Euro können Delfinjäger mit dem Verkauf eines Exemplars an einen Zoo verdienen. Für das Fleisch eines Delfins bekommen sie maximal 450 Euro. Zu den Hauptkunden gehörten Delfinarien in Japan, Ägypten, Türkei, Dubai, Hongkong, Südkorea und Taiwan.

Die Jagd wird weitergehen

In den deutschen Delfinarien gibt es keine Delfine aus der Todesbucht, sagt Astrid Fuchs von der 'Whale and Dolphin Conservation gGmbH' (WDC).

Allerdings müsse man weiterhin kritisch beobachten, wie sich die Lage entwickelt. Denn die ersten japanischen Zoos würden bereits überlegen, aus dem JAZA auszutreten, um weiter Delfine aus Wildfängen kaufen zu können. So könnten sie sich über die Entscheidung des Verbands hinwegsetzten. Auch die Organisation 'ProWal' antwortet auf die Frage, ob das Verbot von JAZA als Erfolg für den Tierschutz zu werten sei: "Nein, diese Entscheidung bringt etwas Bewegung in diese Angelegenheit, aber ein wirklicher Erfolg für den Schutz der Delfine ist sie leider nicht. Wir fürchten gar eine Ausweitung der Jagd."

Der Fang oder die Tötung eines einzelnen Delfins kann katastrophale Auswirkungen auf den gesamten Bestand haben, wie Fuchs von WDC erklärt. "Delfine sind sehr soziale Tiere. Sie haben eine Kultur und geben Wissen innerhalb der Gruppe weiter. Die Entnahme eines einzelnen Tieres kann ein schwerer Schlag für kleinere Bestände sein", sagt sie. Wenn Delfine aus Taiji nicht mehr verkauft werden dürfen, suchen die Jäger sich ihre Beute einfach woanders, meint 'ProWal'. Die Jagd ginge in Futo, einem anderen Fischerdorf, weiter. Dort würden zwar keine Delfine getötet, aber weiterhin lebendig gefangen.

Die größte Bedrohung für Delfine bleibt laut WWF aber vor allem die Großfischerei. "300.000 Delfine verenden jährlich als Beifang in Fischernetzen", sagt WWF-Sprecher Jörn Ehlers. Angesichts dieser erschreckenden Zahl versteht man, wie klein der Erfolg für den weltweiten Delfinschutz ist, der durch die Entscheidung des JAZA erreicht wurde.