Von wegen entspannter Lebensabend: Immer mehr Menschen arbeiten im Alter

ARCHIV - Ein älterer Mann mit grauen Haaren streicht am 18.02.2014 auf der Leipziger Messe in Leipzig (Sachsen) eine Wand. Das Statistisches Bundesamt teilt am 12.07.2017 Zahlen zur Erwerbstätigkeit von älteren Menschen (65 bis 74 Jahre) für das Jahr
Das Arbeiten im Alter wird immer häufiger. © dpa, Jan Woitas, woi;cse lof wst

Rente reicht nicht mehr zum Leben

Wer sein Leben lang fleißig war, kann im Alter die Früchte seiner Arbeit genießen. So sollte es eigentlich sein; doch leider gilt das für immer weniger Rentner. Inzwischen ist jeder Neunte zwischen 65 und 74 Jahren immer noch erwerbstätig, wie das Statistische Bundesamt mitteilte. Vor zehn Jahren war es gerade einmal jeder Zwanzigste. Auch wenn einige Senioren freiwillig länger arbeiten, als sie müssten – viele können von ihrer Rente allein nicht mehr leben und sind gezwungen, sich etwas dazu zu verdienen.

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Renteneintrittsalter steigt

Dass sich die Zahl der älteren Arbeitnehmer mehr als verdoppelt hat, liegt allerdings auch daran, dass seit 2012 das Rentenalter schrittweise auf 67 Jahre angehoben wird. Ende 2016 lag das Renteneintrittsalter bei 65 Jahren und fünf Monaten – alle Arbeitnehmer, die das betraf, wurden ebenfalls von der Statistik erfasst.

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Vor allem Männer arbeiten länger

Gut ein Drittel der 942.000 Arbeitnehmer zwischen 65 und 74 gab sogar an, dass die ausgeübte Tätigkeit die Hauptquelle ihres Lebensunterhalts sei. Es sind vor allem Männer (15 Prozent), die auch im Alter noch arbeiten gehen, bei den Frauen sind es acht Prozent. Als erwerbstätig gilt, wer mindestens eine Stunde in der Woche eine bezahlte, selbstständige oder mithelfende Tätigkeit ausübt.

Die Studie zeige, dass die Altersarmut weiter steigt, erklärte Ulrike Mascher, Präsidentin des Sozialverbands 'VdK Deutschland'. "Aus unserer Sicht belegen die Zahlen aber erneut, dass viele Menschen im Ruhestand arbeiten, weil sie mit ihrer Rente kaum über die Runden kommen. Viele arbeiten also, weil sie müssen, nicht weil sie wollen", sagte sie. Nicht nur die Zahlen der Menschen, die im Alter noch einen Job haben, sei gestiegen, es gäbe auch immer mehr überschuldete und armutsgefährdete Rentner.