Vor den Augen der Kinder erstochen, weil sie Christin wurde? - Bewegende Trauerfeier in Prien für getötete Afghanin

"Wir stehen hier gemeinsam"

Das Verbrechen von Prien am Chiemsee hat Entsetzen und Bestürzung ausgelöst. Am Sarg der erstochenen Mutter trauerten Christen und Muslime gemeinsam.

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Vor den Augen ihrer Kinder niedergestochen

Trauergäste legen am 04.05.2017 in Prien am Chiemsee (Bayern) am Sarg der ermordeten Fatima S. aus Afghanistan Blumen nieder. Ein Landsmann soll die 38-Jährige am Samstag vor den Augen ihrer Kinder in dem Kurort erstochen haben. Die Ermittler halten
Über 200 Menschen kamen zur Trauerfeier. © dpa, Peter Kneffel, kne fgj

Es war 18.45 Uhr am Samstag, als bei der Polizei der Notruf einging: Eine Frau sei vor einem Supermarkt im bayrischen Prien niedergestochen worden. Die 38-jährige Farimah brach vor den Augen ihrer fünfjährigen Tochter und ihres elfjährigen Sohns zusammen.

Die Ermittler halten es für möglich, dass das Verbrechen religiös motiviert war. Die Frau, die seit Jahren in der oberbayerischen Gemeinde lebte, war nach ihrer Flucht vom muslimischen Glauben zum Christentum konvertiert. Und genau das wurde ihr offenbar zum Verhängnis: Der ebenfalls aus Afghanistan stammende Hamidullah M. soll sie aus Hass getötet haben. Aus Hass auf Muslime, die zum Christentum überlaufen.

Mutmaßlicher Täter in der Psychiatrie

Blumen, Kerzen und Briefe liegen am 04.05.2017 an der Stelle vor einem Supermarkt in Prien am Chiemsee (Bayern), an der am 29.04.2017 eine Frau aus Afghanistan im Beisein ihrer Kinder mutmaßlich von einem Landsmann erstochen wurde. Die Ermittler halt
Am Tatort geht niemand unberührt vorbei: Trauer um die erstochene Mutter aus Afghanistan © dpa, Florian Eckl, kne fgj

So groß der Hass des fanatischen Einzeltäters auch war, umso größer ist die Trauer um Farimah: 200 Menschen kamen, um sich von ihr zu verabschieden. Die Afghanin war beliebt, engagierte sich in der Gemeinde. Und war stolz darauf, in Deutschland leben zu dürfen. 

Christen und Muslime müssten gemeinsam ein Zeichen gegen Gewalt setzen, sagte der evangelische Seelsorger Karl-Friedrich Wackerbarth bei der Beerdigung. Auch ein Geistlicher einer afghanisch-christlichen Gemeinde sprach.

Die 38-Jährige war kurz nach der Attacke im Krankenhaus gestorben. Der tatverdächtige 29-jährige Hamidullah M. ist laut Polizei geständig. Er wird den Angaben zufolge in einer Psychiatrie behandelt.