Warum darf Donald Trump ungestraft lügen?

US-Präsident verliert an Rückhalt
US-Präsident verliert an Rückhalt Trumps Glaubwürdigkeit steht auf der Kippe 00:01:39
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Ein Kommentar von Oliver Scheel

Donald Trump hat die Lüge salonfähig gemacht. Wie ist ihm das gelungen? Die berühmte Lüge Bill Clintons ("I did not have sexual relations with that woman") im Zuge der Lewinsky-Affäre 1998 führte zu einem Amtsenthebungsverfahren. Nun darf der mächtigste Mann der Welt offenbar ungestraft Lügengeschichten verbreiten. Wo endet Trumps Odyssee der Unwahrheiten? Neueste Umfragewerte fallen vernichtend aus.

Trump wirft der Presse Lügen vor, doch es ist er, der lügt.

U.S. President Donald Trump im Wahlkampf 2016
US-Präsident Donald Trump hat den Medien den Krieg erklärt. © imago/ZUMA Press, imago stock&people

Schon im Wahlkampf präsentierte Trump die Welt nach seinen Vorstellungen. Er sprach davon, dass in den Vereinigten Staaten unter Präsident Barack Obama die Wirtschaft den Bach runter gegangen sei. Dabei entwickelten sich der Arbeitsmarkt und das Wirtschaftswachstum prima. Trump sprach davon, dass das Freihandelsabkommen NAFTA mit Mexiko und Kanada Jobs in den USA zerstörte. Unfug! Wahr ist vielmehr, dass vor allem in Mexiko Jobs verloren gingen. Er sprach davon, die Städte seien unter Obama unsicherer geworden. Auch das ist falsch. Es ist glatt gelogen. 

Jetzt ist herausgekommen, dass die Unterstellung, der Obama habe ihn im Wahlkampf abhören lassen, sehr wahrscheinlich frei erfunden war - das FBI konnte keinerlei Anhaltspunkte dazu finden. Trump wirft der Presse Lügen vor, doch er ist es, der lügt. Die Lüge ist wesentlicher Teil seiner Strategie.

Angesichts der Flut von Nachrichten in den sozialen Medien ist es ohnehin schon schwer genug, Wahres von Falschem zu trennen. Trump installierte nun die 'alternativen Fakten‘ als neue Wahrheit. Diese Wortkonstruktion kann man nicht anders als mit 'Lüge‘ übersetzen, aber sie dient seiner Vernebelungsstrategie. Die tatsächliche Wahrheit verschwindet in einer diffusen Mischung aus Behauptungen, die zu widerlegen so einfach nicht ist.

Bisher ist Trump mit dieser Strategie nicht schlecht gefahren. Seinen Fans war es lange egal, ob er lügt. Es störte die Wähler offenbar nicht, wenn sie belogen werden - so lange er in ihrem Interesse die Themen anpackt und gegen das Establishment schießt. Doch nun zeichnet sich eine Trendwende ab. Mit seiner Politik stößt Trump bei der wachsenden Mehrheit seiner Landsleute auf Ablehnung. In einer Umfrage des Gallup-Instituts bewerteten nur noch 37 Prozent der Befragten seine Amtsführung als positiv. Damit ist der neue Präsident so unbeliebt wie keiner seiner Vorgänger kurz nach dem Einzug ins Weiße Haus.

Weiß Trump selbst noch, wann er lügt?

U.S. President Donald J. Trump im Oval Office in Washington
Die Lüge scheint Teil von Trumps Strategie zu sein. Seinen Fans war das bisher egal. Doch sein Rückhalt schwindet: Laut einer aktuellen Gallup-Umfrage stimmen nur noch 37 Prozent der Amerikaner Trumps Arbeit zu, 58 Prozent lehnen sie ab. © imago/UPI Photo, imago stock&people

Und so dürfen die Zeitungen, Magazine und TV- und Radiostationen nicht müde werden, all die aufgetischten Lügen immer aufs Neue zu entlarven. Bis auch der letzte Trump-Wähler merkt, dass ihr Präsident eine Mischung aus Demagoge und Baron von Münchhausen ist. Es ist und bleibt die Aufgabe der Medien, den Mächtigen aufs Maul zu schauen. 

Die Moral sollte für einen Präsidenten das höchste Gut sein. Gerade in diesen Zeiten, in denen es durch die massenhafte Verbreitung über die Kanäle der sozialen Medien immer schwieriger wird, die Wahrheit zu erkennen. Wenn der Präsident mit schlechtem Beispiel vorangeht, wie sollte man es dann einem normalen Bürger übel nehmen, wenn er es mit der Wahrheit nicht so genau nimmt?

Trump setzt hier eine Spirale in Gang, die die Gesellschaft zersetzen kann. Niemandem kann mehr vertraut werden. Der Verlust des Vertrauens aber zersetzt die Gesellschaft.

Es stellt sich die Frage, ob Trump selbst überhaupt noch weiß, wann er lügt und wann nicht. Oder ist das alles gar eine ausgeklügelte Strategie? Das weiß wohl nur der Twitterpräsident selbst. Er hat sich ein Netz aus alternativen Fakten gesponnen, in dem er sich selbst nicht mehr bewegen kann. Es hat den Anschein, dass er dabei ist, Überblick und Kontrolle zu verlieren. Das wäre fatal, schließlich gilt der US-Präsident immer noch als der mächtigste Mann der Welt. Es bleibt zu hoffen, dass es im Zuge dieser Verstrickungen nicht zu weiteren Kurzschlusshandlungen kommt. Die Gefahr besteht und der Preis, den die Welt dafür bezahlen müsste, könnte enorm werden.