Weltklimakonferenz in Bonn: Angela Merkel spricht von "Schicksalsfrage" für die Welt

Angela Merkel äußerte sich beim Weltklimagipfel in Bonn
Angela Merkel äußerte sich beim Weltklimagipfel in Bonn Die Kanzlerin machte keine Angaben zum Kohleausstieg 00:01:45
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Kein klares Bekenntnis zum Kohleaussteig von Angela Merkel

Lang erwartet wurde Angela Merkels Rede auf der Weltklimakonferenz in Bonn. Besonders Umweltschutzverbände hatten sich eine Ankündigung des deutschen Kohleausstiegs erhofft – wurden von der Kanzlerin in diesem Punkt aber schwer enttäuscht. Denn Merkel vertagte eine Erklärung konkreter Pläne in der Kohle-Frage mit Verweis auf die laufenden Jamaika-Verhandlungen.

Erreichen von Klimaschutzzielen für 2020 fragwürdig

Bundeskanzlerin Angela Merkel betonte in ihrer Rede die Wichtigkeit der Klimaziele und bezeichnete den Klimawandel als "Schicksalsfrage" für die Welt. Deutschland stehe zum Pariser Abkommen, das von allen Ländern gemeinsam umgesetzt werden müsse. Gleichsam verwies sie darauf, dass die Ziele des Abkommens mit den bisher beschlossenen Maßnahmen nicht erreicht werden könnten und es daher zusätzlicher Anstrengungen bedürfe.

Deutschland hat sich laut Klimaschutzplan 2050 vorgenommen, bis 2020 40 Prozent weniger Treibhausgase auszustoßen als 1990. Merkel sprach jetzt davon, dass dies "ein ehrgeiziges Ziel" sei, zu dessen Erreichen noch "ein ganzes Stück" fehle. In Deutschland werde man sich aber weiterhin bemühen, dem Klimawandel entgegenzuwirken.

"Fatales Signal" an die Weltklimakonferenz in Bonn

ARCHIV - Ein Schaufelradbagger steht am 23.01.2015 im Braunkohle-Tagebau in Garzweiler (Nordrhein-Westfalen). (zu dpa «Erste Erfolge bei Weltklimakonferenz - Spannung vor Merkel-Rede» vom 15.11.2017) Foto: Federico Gambarini/dpa +++(c) dpa - Bildfunk
Umweltschützer hatten gehofft, Angela Merkel würde auf der Weltklimakonferenz in Bonn den Kohleausstieg verkünden. © dpa, Federico Gambarini, fg fdt fg kno jai

Schmelzende Gletscher, Überschwemmungen, Stürme, Dürrekatastrophen – "niemand kann und darf das ignorieren", sagte Angela Merkel in ihrer Rede. Besonders Industrienationen seien jetzt in der Pflicht, da sie über die nötigen Technologien verfügten, auf alternative und erneuerbare Energien umzusteigen. Genau wegen dieser Haltung hatten Umweltschützer gehofft, Merkel würde auf der Weltklimakonferenz den deutschen Kohleausstieg erklären. Die Bundeskanzlerin betonte zwar die Bedeutung der Kohlestrom-Reduzierung für den Klimaschutz in Deutschland und sprach davon, dass Kohle und Braunkohle einen "wesentlichen Beitrag" zur Erfüllung der Klimaziele leisten müssten. "Aber wie genau das ist, das werden wir in den nächsten Tagen miteinander ganz präzise diskutieren müssen", sagte sie in Hinblick auf die noch laufenden Sondierungsgespräche von CDU, CSU, FDP und Grünen.

Greenpeace-Geschäftsführerin Sweelin Heuss zeigte sich nach der Rede der Kanzlerin schwer enttäuscht: "Mit ihrem Schweigen zur Schicksalsfrage der deutschen Klimapolitik verspielt die Kanzlerin auch den letzten Rest ihres alten Klimaruhms." Wenn Deutschland die in Paris getroffenen Vereinbarungen für den Klimaschutz nicht einhalten könne, dann sei dies ein "fatales Signal an diese Klimakonferenz". Auch WWF-Experte Michael Schäfer kritisierte das ausweichende Verhalten der Kanzlerin und forderte von ihr Taten, die das Erreichen des Klimaziels 2020 ermöglichen.