Weniger Flüchtlinge kommen übers Mittelmeer nach Euopa

Rettungkräfte der NGO "Open Arms" helfen am 27.08.2017 ca. 25 Seemeilen (46 Kilometer) während einer Rettungsmission vor der libyschen Küste Flüchtlingen aus einem Schlauchboot. Die Hilfsorganisationen Ärzte ohne Grenzen und SOS Méditerranée haben 12
Im Mittelmeer sind immer weniger Rettungshelfer unterwegs - ist das der Grund für den Rückgang? © dpa, Darko Bandic, DRB lil soe

18.000 Flüchtlinge weniger als im Vorjahr

In diesem Sommer sind deutlich weniger Menschen über das Mittelmeer nach Europa geflüchtet als im vergangenen Jahr. Die italienischen Behörden zählten knapp 90 Prozent weniger Migranten an ihrer Küste. Über die Ursachen wird spekuliert.

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Wirken die strengeren Kontrollen?

Bis zum 25. August kamen demnach 2.932 Migranten in Italien an, im Jahr zuvor waren es noch 21.294 Flüchtlinge. Die libysche Küstenwache führt den Rückgang vor allem auf intensivere Kontrollen im Mittelmeer zurück. Zudem hätten sich mehrere private Rettungsboote zurückgezogen, wodurch sich weniger Schmuggelboote auf den Weg machen würden, sagte ein Sprecher der libyschen Küstenwache.

Oder fürchten die Schmuggler neue Bandengewalt?

ARCHIV - Migranten und Flüchtlinge in einem Gummiboot, die Richtung Europa fahren, werden am 03.02.2017 im Mittelmeer, 34 Kilometer nördlich von Sabratha (Lybien), von der spanischen Hilfsorganisation Proactiva Open Arms gerettet. (zu "Flüchtlingszah
Rund 100.000 Menschen erreichten in diesem Jahr über das Mittelmeer Italien. © dpa, Emilio Morenatti, EM fgj vge tba htf

Experten gehen jedoch davon aus, dass der Rückgang auch mit dem Aufkommen einer neuen bewaffneten Gruppe in Libyen zu tun haben könnte, die die Schmuggler am Ablegen hindert. "Wir können nicht sagen, ob es sich um eine lang anhaltende Entwicklung handelt", sagte eine Sprecherin der Internationalen Organisation für Migration (IOM).

Libyen ist derzeit der wichtigste Abfahrtsort für Flüchtlinge, die versuchen über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. In dem Land herrscht nach jahrelangem Bürgerkrieg Chaos. Unzählige Milizen kämpfen um die Macht.

Merkel reist zu Flüchtlings-Gipfel nach Paris

Auch in Zukunft sollen weniger Flüchtlinge nach Europa kommen. Dazu beraten heute Deutschland, Frankreich, Italien und Spanien und mehrere afrikanische Länder. Bundeskanzlerin Angela Merkel reist dafür nach Paris. Merkel schlägt vor, alternative Einkommensquellen für Schleuser zu suchen, um die Flüchtlingsströme nach Europa einzudämmen. In diesem Jahr erreichten insgesamt mehr als 98.000 Flüchtlinge Italien.