Wenn Heimkinder verschwinden: Spielball der Aktivisten oder Justizopfer?

Selbsternannte "Kindesretter" verschleppen Heimkinder

Wenn Minderjährige in Kinderheimen untergebracht werden, soll dies laut Jugendamt zu ihrem eigenen Wohl geschehen. Doch ist dem tatsächlich so? In den vergangenen Monaten sorgten immer wieder Fälle für Schlagzeilen, bei denen Aktivisten Minderjährige aus Kinderheimen in ihre "Obhut" nahmen. Ihr Vorwurf: Kinder würden ohne Grund vom Jugendamt aus Familien gerissen und in Heime gesteckt, wo sie nicht kindgerecht behandelt würden. Die Behörden sagen: Das ist Selbstjustiz. Doch die Aktivisten sind sich sicher: Jugendämter handeln bewusst mit Kindern. Nicht das Kindeswohl, sondern wirtschaftliche Interessen stünden dabei im Vordergrund.

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Sein Fall sorgte erst kürzlich für Schlagzeilen: Der 12-jährige Tom (Name v.d. Red. geändert) war plötzlich spurlos aus einem Heim verschwunden. Es folgten intensive Suchaktionen der Polizei - ohne Ergebnis. Wochen später erscheint ein einstündiges Video im Internet, in dem der Junge betont, dass es ihm gut ginge. Was war passiert? Die selbsternannte "Kindesretterin" und Aktivistin Angela M. hatte das Video erstellt und Tom angeblich auf seinen eigenen Wunsch hin bei sich aufgenommen, nachdem der Junge vor vermeintlich miserablen Zuständen im Kinderheim geflüchtet sei. Was für die Behörden nach Kindesentzug aussieht, ist für die Aktivisten keine Straftat, sondern das einzig Richtige.

Für Verone Schöninger, Vorsitzende des Kinderschutzbundes Hessen, ist das Handeln der Aktivisten dagegen reine Selbstjustiz, die eine Gefahr für die Minderjährigen darstelle: "Das halte ich für eine glatte Gefährdung des Kindeswohls. Weil das im Interesse der Erwachsenen passiert und meiner Meinung nach die Interessen der Kinder da zu kurz kommen. Es wäre mehr im Interesse der Kinder, diese Erwachsenen auch als Unterstützer zu gewinnen, um Fragen, die das Kind hat, auch aufzubereiten. Aber nicht einfach eine illegale Handlung vorzunehmen, indem das Kind entführt wird."

Tom wurde inzwischen gefunden - über 100 Kilometer von seinem Kinderheim entfernt. Ist er zum er Spielball der Aktivisten geworden oder tatsächlich ein Justizopfer? Im Fall des 12-Jährigen bleiben viele Fragen offen. Wurde er instrumentalisiert, um das Video zu drehen, hat er tatsächlich aus freien Stücken gehandelt und wie konnte er gezielt bei der 52-jährigen Aktivistin unterkommen? Die Polizei ermittelt derzeit in alle Richtungen.

Sehen Sie sich jetzt die ganze Reportage an.

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