WHO schlägt Alarm: Krieg, Flucht und Cholera im Jemen und in Nigeria

Was ist eigentlich Cholera?
Was ist eigentlich Cholera? 00:00:36
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Cholera: Schon 44 Tote in Nigeria

Seit Wochen grassiert in Nigeria die Cholera. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) hat nun im Nordosten Nigerias erste Maßnahmen ergriffen und will schnellstmöglich bis zu 915.000 Menschen gegen Cholera impfen. Das soll eine weitere Ausbreitung der schweren Durchfallerkrankung stoppen.

Die Impfkampagne soll zusammen mit örtlichen Behörden innerhalb weniger Tage im Bundesstaat Borno durchgeführt werden, wie die WHO mitteilte. Der Fokus liegt dabei auf Lagern für Binnenflüchtlinge und Gebieten rund um Maiduguri, der Hauptstadt von Borno. Bislang sollen sich laut WHO über 2.600 Menschen infiziert haben, mindestens 44 sind in Folge der Cholera gestorben.

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Sie flohen vor der Gewalt, jetzt bedroht sie die Cholera

Die meisten Cholera-Fälle wurden bislang aus einem Lager für Binnenflüchtlinge am Stadtrand von Maiduguri gemeldet. Dort leben rund 20.000 Menschen. "Tausende Menschen in diesen Lagern haben ihr Zuhause aufgegeben, um vor Gewalt und Terror zu fliehen. Jetzt sind sie von der Cholera bedroht", erklärte der Leiter des globalen Impfbündnisses Gavi, Seth Berkley.

Durch die Cholera-Schluckimpfung hätten die Behörden nun mehr Zeit, sanitäre Anlagen und den Zugang zu sauberem Trinkwasser zu verbessern, hieß es in der Pressemitteilung weiter. Cholera wird vor allem ausgelöst von Trinkwasser, das mit Fäkalien oder Erbrochenem verschmutzt ist. Der erste Cholera-Fall in Borno ist Mitte August gemeldet worden.

Keine Besserung im Jemen

Schon wesentlich länger leiden die Menschen im Jemen unter der Krankheit. Dort hat die Cholera-Epidemie die Marke von 500.000 Fällen überschritten. Fast 2.000 Menschen seien bereits an der gefährlichen Durchfallerkrankung gestorben, berichtete die WHO bereits vor einem Monat. Zwar gehe die Zahl der neuen Fälle pro Woche seit Anfang Juli zurück. Immer noch infizierten sich aber nach Schätzungen 5.000 Menschen pro Tag. Die Lage in dem bitterarmen Land auf der Arabischen Halbinsel ist desolat. Seit 2014 kämpfen schiitische Huthi-Rebellen gegen die sunnitische Regierung. Ein saudi-arabisch geführtes Militärbündnis unterstützt die Regierung und bombardiert Huthi-Stellungen.

Durch die Kämpfe sind nach Angaben der WHO mehr als die Hälfte der Kliniken und Gesundheitszentren zerstört oder verlassen. Es gebe nicht genügend Medikamente. 30.000 Mitarbeiter seien seit fast einem Jahr nicht mehr bezahlt worden. Mehr als die Hälfte der rund 28 Millionen Einwohner habe keinerlei medizinische Versorgung. Die Vereinten Nationen warten händeringend auf mehr Hilfsgelder aus reicheren Ländern. Von den benötigten 2,3 Milliarden Dollar waren bis Mitte August erst 40 Prozent eingezahlt worden.

Sorge in Bangladesch

Dramatisch ist auch die Lage der aus Myanamar geflüchteten Rohingya in Bangladesch. Die Flüchtlingslager bei Cox's Bazar seien völlig überfüllt, berichtete das UN-Flüchtlingshilfswerk (UNHCR). Viele Neuankömmlinge würden von Rohingya-Familien aufgenommen, die selbst teils vor Jahrzehnten aus Myanmar geflüchtet sind und immer noch in Lagern leben. Mitarbeiter verteilten Plastikplanen, Küchenutensilien, Schlafmatten und Solarlampen. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) fürchtet den Ausbruch von Cholera und Masern. Sie hat Impfkampagnen gestartet und verteilt Wasserreinigungstabletten.