Wie wählt Facebook die Meldungen für mich aus? So funktioniert der Edge-Rank

Erklärung Facebook Edge Rank
In den Neuigkeiten bei Facebook sehen sie alles, was neu ist? Mitnichten...

Von Sebastian Werner

"Hey, du hast gar nichts zu meinem Foto von gestern gesagt" – so beklagt man sich schon mal bei Freunden, nachdem das erwünschte Feedback bei Facebook ausgeblieben ist. Zeit für Aufklärung – denn verantwortlich dafür sind in den meisten Fällen nicht Ihre Freunde, sondern Facebook mit seinem Algorithmus: Der Edge-Rank enthält gezielt Beiträge vor.

Was ist der Edge-Rank?

Wenn Sie Facebook öffnen und in den Neuigkeiten stöbern, sehen Sie nicht die aktuellsten Meldungen im Newsfeed, und schon gar nicht alle - sondern nur eine Auswahl, getroffen durch Facebook. Der Begriff Edge-Rank - den Facebook selbst übrigens nicht verwendet - bezeichnet diesen Auswahl-Mechanismus. Er nimmt die Bewertung der Qualität eines Beitrags vor und entscheidet darüber, ob der Beitrag wichtig ist, oder nicht. So sehen Sie am Ende nur einen von fünf Beiträgen.

Wie wählt Facebook die Meldungen für mich aus?

"Zwei Faktoren sind für den Edge-Rank wichtig", weiß Frank Kohls, Social-Media-Experte bei RTL interactive. "Facebook behauptet zum einen, immer die Meldungen anzuzeigen, die für den User am wichtigsten sind." Aber woher will die Firma wissen, welche das sind? Facebook analysiert Ihr Surf-Verhalten: Posts von Fanpages, Personen oder Gruppen, bei denen Sie in der Vergangenheit besonders oft kommentiert und 'Gefällt Mir' oder 'Teilen' geklickt haben, werden als 'wichtig' eingestuft.

"Zum anderen zeigt Facebook auch Posts an, die man verpasst hat, die andere User aber oft liken oder kommentieren", so Kohls. Das passiert auch schon mal Stunden oder Tage später, falls man einen erfolgreichen Post noch nicht gesehen hat.

Unabhängig von diesen bekannten Einfluss-Faktoren gibt es allerdings Zehntausende weitere – über die sich Facebook ausschweigt.

Facebook Newsfeed Edge Rank Erklärung Screenshot
In den 'Neuigkeits-Einstellungen' - hier auf dem Smartphone in der Facebook-App - können Sie sehen, wessen Beiträge Facebook Ihnen besonders bevorzugt anzeigt.

Warum macht der Edge-Rank das?

Facebook wächst: Die Menschen posten immer mehr - und folgen gleichzeitig immer mehr Seiten, die immer mehr Inhalte teilen. Wie groß ist der Datendschungel inzwischen? Auf RTLaktuell.de-Anfrage verweist Facebook auf seinen hauseigenen Blog, darin schreibt Lars Backstrom: "Jedes Mal wenn jemand den Newsfeed aufruft, gibt es im Schnitt 1.500 potentielle Meldungen für ihn." Daraus wählt das Netzwerk dann etwa 300 aus, die angezeigt werden. Bei Facebook passiert schlicht zu viel, als dass Sie als Nutzer alles sehen könnten.

Welche Beiträge hält Facebook für mich persönlich denn für wichtig?

Das können Sie seit kurzem mit einem Tool selbst überprüfen. Wählen Sie auf dem Smartphone im Einstellungsbereich der App die Funktion 'Neuigkeiten-Einstellungen', bei der normalen Facebook-Seite auf ihrem Rechner oder Tablet erscheint ein kleines Einstellungsrädchen neben dem 'Neuigkeiten'-Schriftzug.

Hier sehen Sie, wessen Beiträge der Edge-Rank Ihnen in der letzten Woche besonders oft angezeigt hat, sie können sogar unterscheiden zwischen Personen und Seiten.

Kann ich etwas gegen die automatische Auswahl tun?

Jein. Wenn Sie in Ihrem Newsfeed alle Beiträge sehen wollen, können Sie die Funktion 'Neueste Nachrichten' auswählen. "Damit hebeln Sie die von Facebook vorgesehene Reihenfolge der Meldungen aus und sehen alles", erklärt Experte Kohls. Doch sie müssen unter Umständen viel Zeit mitbringen, um wirklich alles zu sehen – je nachdem wie vielen Freunden und Seiten Sie folgen.

Wenn es Ihnen darum geht, dass Ihr Beitrag von Ihren Freunden gesehen wird, haben Sie keine Chance – Sie müssen sich darauf verlassen, dass Ihre Freunde sich nicht auf die Facebook-Auswahl verlassen. Oder hoffen, dass der Edge-Rank Ihren Beitrag als wichtig einstuft.

Ich bekomme immer die Posts von Seite X, aber nie die von Freund Y. Kann ich das ändern?

Sie können den Edge-Rank beeinflussen, auch wenn es eine mühsame Arbeit ist. Per Klick auf den kleinen grauen Pfeil bei jedem Post oben rechts finden Sie dafür einige Optionen. 'XY nicht mehr abonnieren' verbannt beispielweise die Seite oder Person aus Ihrem Newsfeed. Mit 'Benachrichtigungen aktivieren' können Sie sich per Meldung informieren lassen, wenn es etwas Neues von dem Absender gibt.

Um sicherzugehen, von bestimmten Quellen immer alles zu sehen, können Sie auch eine 'Interessenliste' anlegen und die Absender hinzufügen. "Man erschafft sich eine Art Teil-Newsfeed, den man thematisch selber bestimmen kann", so Kohls, doch es gibt einen Wermutstropfen: "Man muss die Liste aber aktiv aufrufen." Es gibt also keine Möglichkeit, anstelle der gefilterten 'Neuigkeiten' automatisch die Interessenliste angezeigt zu bekommen.

Ein weiterer Anlaufpunkt ist die von Facebook angebotene Seite 'Ungelesene Meldungen' – hier zeigt das Netzwerk eine Auswahl von Posts Ihrer Freunde, aber ebenfalls gefiltert und nicht chronologisch.

Warum ist es überhaupt wichtig, es in den Newsfeed meiner Freunde zu schaffen – steht doch alles auch auf meiner eigenen Pinnwand?

Ein häufiges Missverständnis, das uns zurück zur Ausgangsproblematik bringt ("Warum hast du mein Foto nicht beachtet..?"). Wenn Sie einen Beitrag auf Ihrer Pinnwand mit Ihren Freunden teilen, werden Ihre Freunde in der Regel nicht von allein auf Ihre Profilseite kommen und ihn dort sehen - woher sollten sie auch wissen, dass Sie dort etwas Neues gepostet haben. Nein, sie sehen Ihre Beiträge in der Regel nur in ihrem Newsfeed auf der Facebook-Startseite. Wenn der Edge-Rank es denn zulässt.



Sebastian Werner ist gebürtiger Hamburger und studierte Angewandte Medienwirtschaft an der 'medienakademie', wobei er sich besonders für den journalistischen Teil begeistern konnte. Das brachte ihn zu RTL interactive, wo er heute Chef vom Dienst der Nachrichtenredaktion ist. Er schätzt vor allem Themen, die die Menschen bewegen – oder bewegen sollten. Diese findet er im „echten“ Leben mit seiner Familie in Köln – und im „digitalen“ Leben in den verschiedenen Social Networks.