Wolfshybride: Die sechs kleinen Wolf-Hund-Mischlinge aus Thüringen dürfen leben - vorerst!

HANDOUT - Die Bilder einer Fotofalle vom 01.10.2017 zeigen sechs junge Wolfsmischlinge auf einem Truppenübungsplatz in Ohrdruf (Thüringen). Im Fall der Ohrdrufer Wolf-Hund-Mischlinge könnten Spezialfallen zum Einsatz kommen. Aktuell diskutierten Expe
Die Bilder einer Fotofalle vom 01.10.2017 zeigen die sechs jungen Wolfsmischlinge auf einem Truppenübungsplatz in Ohrdruf in Thüringen. © dpa, ---, dna wst fdt

Es gibt Hoffnung für die Wolfshybriden aus Ohrdruf

Ihr Schicksal schien eigentlich schon besiegelt: Sechs kleine Mischlinge aus Wolf und Hund sollten abgeschossen werden - aus Artenschutzgründen. Nun ist in Thüringen überraschend entschieden worden, die Jungtiere aus Ohrdruf einzufangen und sie in den Worbiser Bären- und Wolfspark umzusiedeln. Doch dafür bleibt nicht viel Zeit. Ein Abschuss der Welpen ist also noch möglich.

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Werden die Ohrdrufer Wolf-Hund-Mischlinge doch noch getötet?

Die Gesamtzahl der Wölfe in Deutschland wird von Experten auf etwa 350 geschätzt. Foto: wolfsbetreuer.de
Illegale Tötungen, gerissene Schafe, Sichtungen nahe bewohnter Gebiete: Die Rückkehr des Wolfs sorgt in Deutschland seit Jahren für Debatten. © DPA

Bis Ende Februar müssen die Jungtiere gefunden sein. Denn danach suchen sie sich wahrscheinlich ein neues Revier, wie Umweltministerin Anja Siegesmund (Grüne) erklärt. Möglich ist das Fangen nur mit einer Ausnahmegenehmigung des Landesverwaltungsamtes, die in den nächsten Tagen erwartet wird.

Das Wolfs-Institut 'Lupus' aus Sachsen soll dann die Rückzugsorte der Tiere aufspüren und die Hybriden einfangen. Nach Medienberichten sollen dafür gepolsterte Spezialfallen eingesetzt werden. Sollte das nicht gelingen, müssen sie doch abgeschossen werden.

Wolfshybriden: Schwieriger Spagat zwischen Arten- und Tierschutz

Die seit 2014 auf dem Truppenübungsplatz lebende Wölfin soll dort bleiben. Sie hatte sich mit einem Haushund eingelassen, was äußerst ungewöhnlich ist. Dass sich Wölfe und Hunde paaren, kommt nur extrem selten vor und führt zu Problemen: Die Vermischung der Gene von Wolf und Hund gefährde die Wolfspopulation, erklärt die Sprecherin vom Wolfsbüro des Niedersächsischen Landesbetriebs für Wasserwirtschaft, Küsten- und Naturschutz.

Um den Artenschutz zu gewährleisten hatte man die sechs Welpen zunächst zum Abschuss freigegeben, sich dann aber doch für den Schutz der Tiere entschieden. "Rechtlich unterliegen Mischlinge aus besonders geschützten Wildtieren und ihrer Haustierform bis zur vierten Generation den gleichen artenschutzrechtlichen Bestimmungen, wie die reine Wildform", so die Sprecherin des Wolfsbüros.

Sind Wölfe für Menschen gefährlich?

ARCHIV - Wolf streift am 26.04.2011 durch ein Gehege in Niedersachsen. (Zu dpa «Wolf abschießen? - Debatte über Umgang mit dem Raubtier» vom 26.10.2017) Foto: Ingo Wagner/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Die meisten Wölfe in Deutschland leben in Brandenburg und Sachsen. © dpa, Ingo Wagner, bsc hoh fdt fp vge wst bwe

Von der Lausitz im Osten bis nach Niedersachsen leben immer mehr Wölfe. Während sich Naturschützer über den Zuwachs freuen, sehen andere eine wachsende Gefahr. Der Umgang mit den streng geschützten Tieren ist längst zum Politikum geworden. Nach aktuellen Schätzungen leben inzwischen 60 Wolfsrudel in Deutschland - 13 mehr als noch im Jahr 2016. Dennoch ist es äußerst unwahrscheinlich, dass sich Wolf und Mensch gefährlich nahe kommen. Wie Sie sich in einem solchen Fall verhalten sollten, lesen Sie hier.

Immer mehr Wölfe in Deutschland

ARCHIV - ILLUSTRATION - Ein Wolf läuft am 09.07.2015 in einem Tierpark in Cleebronn (Baden-Württemberg) durch sein Gehege. (zu dpa «Wölfe" vom 09.11.2017) Foto: Wolfram Kastl/dpa +++(c) dpa - Bildfunk+++
Problematisch ist das Anfüttern von Wölfen, da sich derart konditionierte Tiere für Menschen interessierten. Daraus können unter Umständen gefährliche Situationen entstehen. © dpa, Wolfram Kastl, wok fdt bwe mau gfh bwe

Wölfe waren in Deutschland vor rund 150 Jahren ausgerottet worden. Im Jahr 2000 wanderte erstmals wieder ein Wolfspaar aus Polen ein. Seitdem wächst die Population der streng geschützten Tiere.