Zugdrama: Lokführer verweigert Aussage

Warum fuhr der Lokführer so schnell in die Kurve?

Ist der Lokführer des Unglückszuges in Spanien alleine Schuld an der Katastrophe mit 78 Toten? Francisco José Garzón selbst hat sich offiziell zu dem Unglück noch nicht geäußert, bei seiner ersten Vernehmung durch die Polizei jedoch die Aussage verweigert. Dies berichteten spanische Medien. Die Polizei hatte Garzón bereits am Donnerstag im Krankenhausbett festgenommen.

Spanien Zugunglück Lokführer verweigert Aussage
Die aus dem Gleis gesprungene Lokomotive des Unglückszuges an der Unfallstelle. © Michael Murdock / Splash News

Inzwischen wurde er wegen fahrlässiger Tötung angeklagt. Der Mann sei aus dem Krankenhaus entlassen und auf die Hauptpolizeiwache im Unglücksort Santiago de Compostela gebracht, teilte Innenminister Jorge Fernández Díaz mit. Garzón solle bis Sonntagabend der Justiz überstellt werden.

Nach bisherigen Erkenntnissen fuhr der 52-Jährige am Mittwochabend seinen Zug in einer Tempo-80-Zone mit 190 Kilometern pro Stunde ins Unglück. 78 Menschen starben, 178 wurden verletzt. Garzón werde "einer Straftat in Zusammenhang mit dem Unglück" verdächtigt, sagte der Polizeichef der Region Galicien.

Einem Bericht der Zeitung 'El Mundo' zufolge soll der Lokführer kurz nach dem Unglück gesagt haben: "Ich habe es vermasselt, ich möchte sterben." Laut Medien hat er eingeräumt, viel zu schnell gefahren zu sein. Einen Grund dafür nannte er aber noch nicht. "Ich hoffe, es gibt keine Toten. Das wäre sonst meine Schuld." Diesen Funkspruch soll Garzón der Zeitung 'El Pais' zufolge kurz nach dem Unfall abgesetzt haben.

Gewerkschaft: Sicherheitssystem ungeeignet

Der Eisenbahner hätte den Bremsvorgang gemäß den Sicherheitsvorschriften schon vier Kilometer vor der Unfallstelle bei Santiago de Compostela beginnen müssen. Das sagte der Präsident der Eisenbahninfrastruktur-Behörde Adif, Ferre. Nun soll die Auswertung des Fahrtenschreibers den Ermittlern Aufschlüsse zur Klärung des schwersten Eisenbahnunglücks in Spanien seit mehr als 40 Jahren geben.

Ferre betonte, alle Sicherheitssysteme hätten funktioniert, für den Fall eines Systemausfalls verfüge der Lokführer aber über einen genauen Plan mit allen Anweisungen. Behördenchef Ferre sagte: "Das ist ja die Aufgabe des Lokführers: die Geschwindigkeit zu kontrollieren. Sonst wäre er Passagier."

Wie die zu hohe Geschwindigkeit zu erklären ist, mit der der Zug nach bisherigen Erkenntnissen in die Kurve vier Kilometer vor dem Bahnhof des Wallfahrtsortes einfuhr, ist weiter unklar. Die Lokführer-Gewerkschaft Semaf nahm den Lokführer in Schutz und erklärte, das Sicherheitssystem kurz vor Santiago beim Übergang von Hochgeschwindigkeits- auf Normalstrecke sei ungeeignet. Bau- und Verkehrsministerin Ana Pastor wies dies zurück.

Die Katastrophe nahe der Pilgerstadt Santiago war das erste tödliche Unglück im Hochgeschwindigkeitsnetz der spanischen Bahn. Der Wallfahrtsort, der das Ziel des Jakobsweges bildet, sagte alle Feiern zu Ehren des Heiligen Jakobs am Wochenende ab. Ministerpräsident Mariano Rajoy ordnete für Spanien eine dreitägige Trauer an.

Der Unglückszug war am Mittwoch auf der Fahrt von Madrid zur Küstenstadt Ferrol im Nordwesten des Landes. Die Waggons des Zuges wurden bei dem Unglück auseinandergerissen und sprangen aus den Schienen. Einige Wagen prallten neben den Gleisen gegen eine Betonwand und stürzten um, andere Waggons verkeilten sich ineinander. Ein Wagen flog sogar über die Begrenzungsmauer hinweg.