Zyperns Finanzminister tritt zurück: Michalis Sarris wirft hin

Große Kapitalflucht ausgeblieben - Kontrollen gelockert

Nächster Rückschlag für das Euro-Krisenland: Zyperns Finanzminister Michael Sarris nimmt seinen Hut. Nach dem Abschluss der Gespräche mit den internationalen Geldgebern über ein milliardenschweres Hilfspaket für das Euro-Land sei er zurückgetreten, teilte er mit. Ein Regierungssprecher sagte zudem, dass die erste Hilfstranche aus dem zehn Milliarden Euro schweren Rettungspaket im Mai fließen solle.

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Zyperns Finanzminister Michalis Sarris erklärte seinen Rücktritt. © REUTERS, ERIC VIDAL

Als Grund für seinen Rücktritt nannte Sarris die Untersuchungen der neu eingesetzten Kommission, die Hintergründe der Bankenkrise unter die Lupe nimmt.

Mit seinen internationalen Geldgebern hat Zypern die Konditionen für die milliardenschweren Finanzhilfen ausgehandelt. Das Euro-Land zahle auf die Notfall-Kredite 2,5 Prozent Zinsen, sagte Sarris, kurz bevor er seinen Rücktritt einreichte. Die Tilgung beginne in zehn Jahren. Die Kredite sollen über einen Zeitraum von zwölf Jahren zurückgezahlt werden.

Zypern erhält von der Troika aus EU-Kommission, Europäischer Zentralbank (EZB) und Internationalem Währungsfonds (IWF) die erste Tranche des zehn Milliarden Euro schweren Rettungspakets im Mai. Neuer Finanzminister wird der bisherige Arbeitsminister Harris Georgiades.

Zuvor hatte die zyprische Regierung nach dem ausgebliebenen Sturm auf die Banken ihre Kapitalverkehrskontrollen gelockert. Bürger und Unternehmen dürfen jetzt bis zu 25.000 statt nur 5.000 Euro ohne die Zustimmung der Zentralbank überweisen. Außerdem erlaubte das Finanzministerium am Dienstag den Gebrauch von Schecks bis zu einer Grenze von 9.000 Euro im Monat.

Mit den Kapitalverkehrskontrollen sollen die Geldinstitute des Landes vor einer massiven Kapitalflucht bewahrt werden. Nachdem die Banken am Donnerstag erstmals seit zwei Wochen wieder ihre Tore geöffnet hatten, war eine Massenpanik besorgter Kunden allerdings ausgeblieben.

Anastasiades wehrt sich gegen Vorwürfe

In den vergangenen Tagen hatten zyprische Medien berichtet, vor Einführung der Kapitalverkehrskontrollen hätten die Banken massive Vermögensabflüsse verzeichnet.

Zyperns Präsident Nikos Anastasiades will Vorwürfe einer gezielten Kapitalflucht aus dem Krisenland genau prüfen lassen. Bankkunden sollen nach Warnungen vor Zwangsabgaben rechtzeitig hohe Summen ins Ausland geschafft haben. Die Anschuldigungen betreffen auch Familienmitglieder des Präsidenten. Zur Aufklärung vereidigte Anastasiades eine vom Parlament eingesetzte Kommission aus drei ehemaligen Richtern. Sie soll sich mit Ursachen der Krise befassen, aber auch mit den Vorwürfen der Kapitalflucht von Anlegern, die Mitte März Insiderinformationen über bevorstehende harte Maßnahmen genutzt haben sollen, um hunderte Millionen ins Ausland zu bringen.